Bericht Veranstaltungen im Bürgersaal vom 1. August bis 9. August


„100 Jahre Erster Weltkrieg“

Griff nach der Weltmacht von Fritz Fischer“, Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/1918 und „Krieg der Illusionen“ - „Die deutsche Politik von 1911 - 1914“

schon vergessen?


Prof. Dr. Kurt Petzold -Vortrag „100 Jahre nach dem I. Weltkrieg“ Auszug seines Vortrages

2014



Anwort auf Christopher Clark Schlafwandler


Ein Buch des Revisionisten, die behaupten Deutschland wäre nicht mehr Schuld als andere Staaten am Beginn des Ersten Weltkrieges. Eine ungeheuerliche Behauptung, die nur das bürgerliche und kleinbürgerliche Lager befriedigt und deren Historiker.


Die Schärfe der Gegner Fritz Fischer nimmt wieder Fahrt auf.

Die großbürgerliche Gesellschaft und ihre Publizisten sind ihm mit Bewunderung um den Hals gefallen.


Fritz Fischer hat den Befund der Wissenschaft aufgearbetiet und dokumentiert.


Er war jedoch auch Relegat und Prof. im Nationalsozialismus und wirkte dort mit.

Jedoch dachte er intensiv über die deutsche Geschichte nach und lieferte zwei Bücher

über die Ursachen des Ersten Weltkrieges ab.


Auszug aus der Rede


1917 gab es Unruhe in der französischen Armee, Soldaten, die sich geweigert hatten, aus den Gräben in die MG- Salven der deutschen zu gehen, wurden erschossen wegen Befehlsverweigerung

und vor den Militärgerichten verurteilt.


1918 behaupteten Hindenburrg und Ludendorff, man hätte den Krieg gewinnen können, wenn

die Armee nicht den Dolchstoß aus der Heimat erhalten hätten. Gemeint war eine Anspielung

auf Hagens Mord an Siegfried, der ihn mit einem Speer tötete. (Ring des Nibelungen)


Wann kam der Begriff Weltkrieg zum ersten Mal auf?

Friedrich Engels 1887 „vom kommenden Weltkrieg“.

Moltke der Ältere 189o, der von einem langen, furchtbaren Krieg sprach, 91 Jahre.

Er war Generalstabschef 1866/67 und 1870/71..

Auch Bebel sprach vor seinem Tod 1913 von einem furchbaren Krieg, der zwangsläufig die derzeitige Aufrüstung (1908-1913) mit sich bringen wird.


In der bürgerlichen Gesellschaft wurde der Wunsch 1880-1918 nach Imperialismus und Kolonialbesitz eingestreut.


Die neuen Waffen verführten zu Kriegslust.

MG, Artillerie neue Munitionierung, Flugzeuge, 22.4.1915 Gasangriff in Belgien.

Flammenwerfer, Schlachtschiffe, Zufuhr von Waren unterbinden.


Wir müssen voraus sein, bevor andere Staaten nachrüsten.


Der Schliffenplan war inkraft. Paris sollte so eingenommen werden.


Wieso Kriegsbegeisterung im Juli und August 1914 ? Wer war da begeistert?

Warum Augusterlebnis von den Histrorikern hervorgehoben? Der Beginn einer Legende um Die Volksgemeinschaft, die Jahre später propagiert und in Szene gesetzt wurde.

Höhepunkt einer Illusion, einer Propaganda, einer Lage der Verzweiflung und Aufhetzung

breiter Bevölkerungsschichten, die nicht wahr haben wollten, dass 2 Millionen deutsche Soldaten und 20.000 Verwundete umsonst ihr Leben gelassen hatten.

Der Krieg war schon in den August und Septemberschlachten 1914 nicht zu gewinnen.


Ein Plan haben die Militärs gehabt, aber als der scheiterte gab es keinen Ersatzpan, sondern nur

den Graben- und Stellungskrieg, das opfern der Soldaten, die massenhaft getötet wurden.


Die Propaganda nebelte das ganze Volk, Politiker und Soldaten ein.

Die Verantwortlichen schwiegen. Aufrufe verbreiteten die Unwahrheit und Lügen.



Vor 1914

Deutschland hat England und Frankreich wirtschaftlich überflügelt und war neben der USA stärkste Nation. Die Weltmacht England wollte Großmacht bleiben, was auch für die Seemacht galt und für die Ambitionen Frankreichs, die außerdem das Elsass- Lothringen wieder zurück haben wollten.


Deutschland hatte das Ziel Welt- und Kolonialmacht zu werden.

Deutschland meldete seine Ansprüche an, die nicht von England und Frankreich gewährt wurden.


Dann sollten diese Ansprüche gewaltsam geholt und verwirklicht werden.


Die Militärs haben sich durchgesetzt, die Kräfte, die die Ansprüche militärisch durchsetzen wollten.


Vaterlandsverteidigung wurde verkündet,um in den Krieg einzutreten. Diese Propagandalüge durchzog die gesamte Weimarer Republik.


Schwerpunkte der Propaganda:


  1. Friedrich Ebert 1918, 11. November beim Truppenempfang verkündet, unbesiegte Truppen kehren zurück. SPD 1914: Wir müssen das Vaterland verteidigen und für die Kriegskredite stimmen.

  2. Im Felde unbesiegt, Ludendorff und Hindenburg propagieren die „Dolchsoßlegende“,

die einfach geglaubt wurde, da kein feindlicher Soldat Deutschland erreichte war das

plausible

  1. Deutschland hatte im September/Oktober1918 jedoch eine vernichtende Niederlag erlitten und Hindenburg/Ludendorff verlangten den Waffenstillstand von der Reichsregierung. Die „Helden“ wurde von Hindenburg in Kassel empfangen.

  2. Unvorstellbar, dass diese Propaganda der bürgerlichen Parteien und der rechten Presse,

der nationalen Verbände dafür sorgten, dass Hindenburg Reichspräsident wurde.


Wie konnte man das den Menschen einreden, wo tausende Soldaten den militärischen Niedergang,

Gefangenschft und Millionen Tote erlebt hatten Sie hatten keine Munition mehr und kein Essen.


  1. Aussage: Wir sind unschuldig am Krieg. Der Versailler Vertrag musste unterschrieben werden, die Engländer und Franzosen diktierten den Friedensvertrag, was sie ihrem Volk und den vielen Opfern schuldig waren. Deutschland musste mit den Raparationen bezahlen.

  2. In Deutschland ging die Propaganda weiter: Kaiser Wilhelm II.: „Ich habe den Krieg nicht gewollt.“Diese Lügen dominierten in der Presse und bei den bürgerlichen sowie nationalistischen Parteien: „Deutschland ist unschuldig“. Auch die SPD hat sich nicht kritisch geäußert. Philipp Scheidemann: „

Wer diesen Versailler Vertrag unterschreibt ´, den müßte die Hand verdorren.“


Er wollte den Vertrag nicht unterschreiben und trat als Kanzler zurück.

Der Anfang vom Ende der Weimarer Republik begann.


Heute sind Revisionisten am Werk, die wie Christopher Clark, „Die Schafwandler“, versuchen die Ergebnisse Fritz Fischers in Zweifel zu ziehen. Die Großbürgerlichen begüßten die Aussagen Clarcks und vielen ihm 2913 um den Hals.


Sind die Erkenntnisse der Wissenschaft und Fritz Fischer vergessen.

Wenn er auch im Nationalsozialismus Professor war und das Regime unterstütze, so hat er doch die deutsche Geschichte erforscht und zu Egebnissen beigetragen, die die Historikergeneration aus den 1930 Jahren bis heute nicht wahrhaben wollen.



„Kassel und Kasseler Bürger im Ersten Weltkrieg“

von Heinz Körner

Historiker und Buchautor

Besucher des Ehrenmals

Bericht über die Veranstaltungsreihe im Bürgersaal

vom 2. August bis zum 17. August 2014


Nach der Eröffnung mit Begrüßung durch Oberbürgermeister Bertram Hilgen

am Freitag, den 1. August, genau zum Jahrestag des Kriegsbeginns und des Begleitwortes von Heinz Körner über die Gliederung der Ausstellung und Vorstellen der Informanten, Vorlesung über einige Passagen aus Kriegstagebüchern und Hinweise auf weitere Veranstaltungen, machte er das Ziel der Ausstellung deutlich, dass die Soldaten des Ersten Weltkrieges wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden sollte und das Frieden nichts selbstverständliches ist. Wenn das Ziel

erreicht wird, dann können wir stolz auf diese Ausstellung sein. Christian Klobucznski, Militärhistoriker, stellte „Die Kasseler Regimenter ziehen in den Krieg“ vor.


Anschließend wurden von den fast 100 Besuchern der Eröffnung der Ausstellung den Veranstaltern Anerkennung und viel Lob zuteil.

Ausstellungsbericht 2


Der zweite und dritte Tag der Ausstellung stand im Zeichen der Tagebücher. Es wurden Lesungen von Söhnen und Töchtern der Weltkriegssoldaten angeboten, die eine große Resonanz hatte. Besonders die Lesungen von der Tochter des Kriegsfreiwilligen Rudolf Gruber, Erika Ritschel war beeindruckend. Ihr Vater zog durch viele Gefechtsfelder, ob Tirol, Serbien, Rumänien, Mazedonien, auf dem Balkan oder als Teilnehmer der großen Schlachten in Flandern und Frankreich, wo der am 29. September 1918 verletzt wurde und in englischer Kriegsgefangenschaft geriet, wo ihm ein Bein abgenommen werden musste. Die Kriegstagebücher dazu waren sehr ergreifend.


Die "dicke Bertha", Siegerin bei Lüttich.                                     Mörser-MAnnschaft vor dem Volltreffer, anschl. Grab

Auch die Szenen aus den Tagebüchern von den Kriegsfreiwilligen Weidemann, Rainer Vietor, Müller, Schmidt und die Feldpostbriefe dazu besonders von dem damaligen Abiturienten Willi Pasche, der erst 16 Jahre zu Kriegsbeginn war und die Briefe seiner Schulkameraden aus den Gefechtsfeldern gesammelt hatte. Auszug: „Du willst zur Musterung und dich freiwillig melden und auf deine Ferien und Studium verzichten? Mensch, Alter, du bist doch der schlaueste von uns und hast doch Möglichkeiten ein Studium zu beginnen. Ich würde sehr viel dafür geben, wenn ich studieren könnte. Glaube mir, hier ist der Tod, unsere Kameraden......sind schon gefallen. Aber tue, was du nicht lassen kannst, aber ich sage dir, du wirst es bereuen.

Max Müller beschrieb sehr eindrucksvoll die Situation in Polen und Weißrussland, Galizien, wo viele Menschen nur mit einem Leiterwagen und ihr gerettetes Gut mit Pferden und Kühen unterwegs war, die Alten auf dem Wagen, Kinder und Frauen neben dem Gefährt. Dann die Situation an der Front, die sich jetzt von Riga bis zum Schwarzen Meer hinzog, wo er über die Kämpfe mit den Russen berichtet, aber auch von der unterschiedlichen Behandlung in der Unterbringung und Verpflegung zischen den Offizieren und den einfachen Soldaten und die Erlebnisse im Graben. er war Tagebuchschreiber und mit vollen Herzen dabei. Seine letzten Eintragungen: „Ich habe viele wertvolle Dinge verloren, aber das ich dich, mein Tagebuch, nicht verlor war immer mein besonderer Augenmerk. Und nun lass ich dich gehen den weiten Weg, den du mit mit kamst., sollst du allein zurück machen.Grüße sollst du gleichzeitig überbringen von dem Schreiber. Fahr wohl!“ Hier enden seine Berichte. Sein Grab wurde nie gefunden.

Am Montag, den 4. August, wurde das Programm fortgeführt mit einem Lichtbildvortrag mit dem Inhalt:

  • Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges;

  • Mobilmachung und Kriegsbeginn;

  • der Marsch durch Belgien, Eroberung Lüttichs und der Festungen

  • die ersten Kriegsverbrechen, Mord und Brandschatzungen am Beispiel Löwen;

  • der Schlieffenplan und das Versagen der Armeeführer.

Es folgten am 5. August die Vorträge über den Krieg im Westen am 5. August, wo auch Frau Ritschel, die Gefechtsfelder - und kämpfe ihres Vaters bis zur Verwundung, Gefangenschaft und anschließendem lebenslangen Leiden darstellen konnte.


Besichtigung und Führung durch das Ehrenmal. Der Gefallene Soldat, eine MAhnung an die Lebenden!

Am 6. August stand der Krieg im Osten im Mittelpunkt, wo Herr Vietor, deren Großvater Karl und Vater Hermann im Ersten Weltkrieg waren. Berichte aus Polen, Galizien und viele Fotos aus Städten und Dörfern bereicherten die Diskussion und den Vortrag. Als Meldegänger bekam der Vater viel zu sehen. Der Krieg im Osten ist fast vergessen, deshalb kamen die Lesungen aus dem Tagebuch von Rudolf Gruber, passend zum Vortrag, wo der Soldat Gruber schildert, wie er von Kassel nach Tirol und von dort nach Frankreich und anschließend nach Serbien „reiste“. Ja, die Soldaten waren viel und lange mit dem Zug unterwegs. Der Marsch durch Serbien hatte er in schrecklicher, grausamer Erinnerung. Auf der Landstraße lagen tausende von Kindern, Frauen und alten Menschen, erfroren, zuerst vor den Russen geflüchtet, dann vor der deutschen Armee. Zum Abschluss folgte ein Bericht über die Südfront, der Kampf gegen die Italiener und in den Alpen, der ebenso brutal und menschenunwürdig geführt wurde. Es gab kein Erbarmen, nur der Wille zum Überleben.

Am 7. und 8. August fanden Führungen durch die Ausstellung statt, die eine sehr gute Resonanz fanden.


Am 9. August stand bei Lesungen aus Kriegstagebüchern und Feldpostbriefen, die Familien Vietor und Weidemann im Vordergrund und Herr Meister berichtete über seinen Onkel, der ein sehr authentisches Tagebuch geschrieben hat, aus dem auch ausführlich zitiert wurde und auch im Mittelpunkt vorheriger Lesungen stand. Herr Pasche berichtete über sein Vater, der Feldpostbriefe seiner ehemaligen Schulkameraden an Kameraden und Lehrer schrieb und sammelte, wo besonders die Kriegsbegeisterung Ende Juli und Anfang August kritischer beleuchtet wurde: „ Ich verstehe nicht, wie wir einmal so begeistert in den Krieg zogen...“

Herr Rainer Vietor zeigte den Marschweg und die Kampflinien im Osten und Westen nach, wo sein Vater als Soldat und sein Großvater Carl als Vicefeldwebel und Kommandant einer Kommandantur Dienst taten. Besonders die wochenlangen Bahnfahrten zu den Kriegsschauplätzen im Osten und vom Osten nach Frankreich waren zermürbend. Sein Vater hatte nie über den Krieg gesprochen. Er lernte die Militärgeschichte seines Vaters über die Feldpostbriefe, Postkarten und Ansichtskarten besser kennen und übersetzte diese von Sütterlin auf Normaldruckschrift. Nachdem er so Vater und Großvater besser verstehen konnte, beschloss der selbst zu den Gefechtsfeldern nach Frankreich zu fahren. Hier wurde er von den Einheimischen sehr freundlich empfangen, die ihm die Schlachtfelder und auch die sehr gepflegte Gedenkstätte beim Friedhof zeigten und ihn zum Jahrestag im nächsten Jahr einluden, wo er auch eine Rede halten konnte, um über die Geschichte seines Vaters und Großvaters zu berichten. Es war für ihn sehr bewegende Tage in Frankreich und er hat nicht mit dieser freundlichen und zuvorkommenden Aufnahme gerechnet.


Rainer Vietor beeindruckte durch seine Schilderung übe rdie Krfiegserlebnisse seines Vaters und Großvaters in Russland und Frankreich und durch seine Fahrt nach Frankreich zu den Gefechtsfeldern.
Viele junge Besuchder konnten im Bürgersaal begrüßt werden.

Das Kriegstagebuch von Wilhelm Weidemann wurde schon 1915 veröffentlicht und war dementsprechend sehr patriotisch und militaristisch geschrieben zumindest in den Anfangsberichten. Hier wurde deutlich, dass es nach dem Einsatz geschrieben wurde und dass seine Militärzeit durch eine Verwundung schon Anfang 1915 enden musste. Aber seine Schilderung beim Einmarsch in Belgien, erste Kontakte mit dem Tod und dem belgischen Widerstand sind ergreifend, ebenso die Schilderung des Grabenkampfes, der vielen französischen Toten in den Gräben und auch die Kriegsverbrechen, die besonders in Dinant und Löwen stattfanden. Die Belgier bezeichneten anschließend die Deutschen als Schweine, was sich beim ersten Gifteinsatz im Frühjahr 1915 in Ypern verfestigte.

In der zweiten Woche werden

„Polen im Ersten Weltkrieg“ ,

„Heimatfront Kassel“

„Die Arbeiterbewegung im Krieg“,

„Die Wandervogel-Bewegung im Ersten Weltkrieg“ und die „ Gründung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“ vorgestellt.

Eine Abschlussveranstaltung am 17. August wird noch einmal an das Attentat in Sarajewo erinnern, die Geschichte Serbiens aufzeigen und an die fast Parallelität 1914 – 2014 aufzeigen:


Fazit der Ausstellung, die den Kasseler Bürgern die Weltkriegssoldaten 1914 – 1918 näher bringen wollte, um auch ihre Erlebnisse wieder in Erinnerung zu bringen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt, die schon 1939-1945 als Revanchekrieg nicht aufzuhalten war – denn FRIEDEN

ist nicht selbstverständlich. Für den Frieden, den wir 70 Jahre in Deutschland bewahren konnten,

muss man arbeiten und wachsam sein, wie die aktuelle Situation in Nordafrika, Syrien und in der Ukraine zeigt.

Heinz Körner

10. August 2014



Und du mein Schatz bleibt hier

Bericht Veranstaltungen im Bürgersaal

„100 Jahre Erster Weltkrieg“

„Kassel und Kasseler Bürger im Ersten Weltkrieg“

von Heinz Körner

Historiker und Buchautor


Bericht über die Veranstaltungsreihe im Bürgersaal

vom 2. August bis zum 17. August 2014

Nach der Eröffnung mit Begrüßung durch Oberbürgermeister Bertram Hilgen

am Freitag, den 1. August, genau zum Jahrestag des Kriegsbeginns und des Begleitwortes von Heinz Körner über die Gliederung der Ausstellung und Vorstellen der Informanten, Vorlesung über einige Passagen aus Kriegstagebüchern und Hinweise auf weitere Veranstaltungen, machte er das Ziel der Ausstellung deutlich, dass die Soldaten des Ersten Weltkrieges wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden sollte und das Frieden nichts selbstverständliches ist. Wenn das Ziel erreicht wird, dann können wir stolz auf diese Ausstellung sein. Christian Klobucznski, Militärhistoriker, stellte „Die Kasseler Regimenter ziehen in den Krieg“ vor.


Anschließend wurden von den fast 100 Besuchern der Eröffnung der Ausstellung den Veranstaltern Anerkennung und viel Lob zuteil.

Rainer  Vietor stellte die Kriegserlebnisse seines Vaters und Großvaters dar, die beide im Ersten Weltkrieg und der Vater auch im Zweiten Weltkrieg südwestlich Frankreichs am Mittelmeer eingesetzt war.

Ausstellungsbericht 2

Zerstörtes Lille


Der zweite und dritte Tag der Ausstellung stand im Zeichen der Tagebücher. Es wurden Lesungen von Söhnen und Töchtern der Weltkriegssoldaten angeboten, die eine große Resonanz hatte. Besonders die Lesungen von der Tochter des Kriegsfreiwilligen Rudolf Gruber, Erika Ritschel war beeindruckend. Ihr Vater zog durch viele Gefechtsfelder, ob Tirol, Serbien, Rumänien, Mazedonien, auf dem Balkan oder als Teilnehmer der großen Schlachten in Flandern und Frankreich, wo der am 29. September 1918 verletzt wurde und in englischer Kriegsgefangenschaft geriet, wo ihm ein Bein abgenommen werden musste. Die Kriegstagebücher dazu waren sehr ergreifend.

Feldpostbriefe, eine wichtige Verbindung zur Heimat.

Auch die Szenen aus den Tagebüchern von den Kriegsfreiwilligen Weidemann, Vietor, Müller, Schmidt und die Feldpostbriefe dazu besonders von dem damaligen Abiturienten Willi Pasche, der erst 16 Jahre zu Kriegsbeginn war und die Briefe seiner Schulkameraden aus den Gefechtsfeldern gesammelt hatte. Auszug: „Du willst zur Musterung und dich freiwillig melden und auf deine Ferien und Studium verzichten? Mensch, Alter, du bist doch der schlaueste von uns und hast doch Möglichkeiten ein Studium zu beginnen. Ich würde sehr viel dafür geben, wenn ich studieren könnte. Glaube mir, hier ist der Tod, unsere Kameraden......sind schon gefallen. Aber tue, was du nicht lassen kannst, aber ich sage dir, du wirst es bereuen.

Max Müller beschrieb sehr eindrucksvoll die Situation in Polen und Weißrussland, Galizien, wo viele Menschen nur mit einem Leiterwagen und ihr gerettetes Gut mit Pferden und Kühen unterwegs war, die Alten auf dem Wagen, Kinder und Frauen neben dem Gefährt. Dann die Situation an der Front, die sich jetzt von Riga bis zum Schwarzen Meer hinzog, wo er über die Kämpfe mit den Russen berichtet, aber auch von der unterschiedlichen Behandlung in der Unterbringung und Verpflegung zischen den Offizieren und den einfachen Soldaten und die Erlebnisse im Graben. er war Tagebuchschreiber und mit vollen Herzen dabei. Seine letzten Eintragungen: „Ich habe viele wertvolle Dinge verloren, aber das ich dich, mein Tagebuch, nicht verlor war immer mein besonderer Augenmerk. Und nun lass ich dich gehen den weiten Weg, den du mit mit kamst., sollst du allein zurück machen.Grüße sollst du gleichzeitig überbringen von dem Schreiber. Fahr wohl!“ Hier enden seine Berichte. Sein Grab wurde nie gefunden.

In der Mitte, Erika Ritschel mit Enkelin.

Am Montag, den 4. August, wurde das Programm fortgeführt mit einem Lichtbildvortrag mit dem Inhalt:

  • Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges;

  • Mobilmachung und Kriegsbeginn;

  • der Marsch durch Belgien, Eroberung Lüttichs und der Festungen

  • die ersten Kriegsverbrechen, Mord und Brandschatzungen am Beispiel Löwen;

  • der Schlieffenplan und das Versagen der Armeeführer.

Es folgten am 5. August die Vorträge über den Krieg im Westen am 5. August, wo auch Frau Ritschel, die Gefechtsfelder - und kämpfe ihres Vaters bis zur Verwundung, Gefangenschaft und anschließendem lebenslangen Leiden darstellen konnte.

Am 6. August stand der Krieg im Osten im Mittelpunkt, wo Herr Vietor, deren Großvater Karl und Vater Hermann im Ersten Weltkrieg waren. Berichte aus Polen, Galizien und viele Fotos aus Städten und Dörfern bereicherten die Diskussion und den Vortrag. Als Meldegänger bekam der Vater viel zu sehen. Der Krieg im Osten ist fast vergessen, deshalb kamen die Lesungen aus dem Tagebuch von Rudolf Gruber, passend zum Vortrag, wo der Soldat Gruber schildert, wie er von Kassel nach Tirol und von dort nach Frankreich und anschließend nach Serbien „reiste“. Ja, die Soldaten waren viel und lange mit dem Zug unterwegs.

Kriegsverbrechen in Belgien

Der Marsch durch Serbien hatte er in schrecklicher, grausamer Erinnerung. Auf der Landstraße lagen tausende von Kindern, Frauen und alten Menschen, erfroren, zuerst vor den Russen geflüchtet, dann vor der deutschen Armee. Zum Abschluss folgte ein Bericht über die Südfront, der Kampf gegen die Italiener und in den Alpen, der ebenso brutal und menschenunwürdig geführt wurde. Es gab kein Erbarmen, nur der Wille zum Überleben.


Rainer Vietor hatte auch ein Vitrine gestaltet, der Krieg im Osten und Westen, Gefechte seines Vaters und Marsch durch den Osten und durch Frankkeich.


Bündnisse: Mittelmächte und Entente

Die Wandervogelbewegung im Ersten Weltkrieg


Am 13. August berichtete Tamara Block über die Wandervogelbewegung.Von den Anfängen einer freien Kultur, Wanderfahrten und Tanz, Spiel und Sport. und das Schicksal der Jugend im Ersten Weltkrieg.






Vor 1914


Große Schlachten mit der russischen Armee, Frieden bei Best-Litowsk

   Aus dem Gästebuch

Danke für die Ausstellung, die von den Verantwortlichen so gut vorbereitet wurde!
In der Hoffnung, dass die Nachwelt gemahnt sei.
Th. Neusel

Hervorragend recherchiert. Danke für die gelungene Ausstellung zu einem bedeutenden Thema. Ich freue mich bereits auf die Nächste.
Thomas Sosna

Eine ergreifende, gelungene Ausstellung. Danke an das ausführende Team!
Durch Beiträge aus unserer Familie hat uns alles besonders gerührt. Hervorragend, das werden wir unseren Kindern weitertragen!
Danke sagen Hans Georg und Hella Meister. 1.8.2014

2.8.
Die Ausstellung und die Vorträge haben mich sehr beeindruckt. Vielen Dank für die große Mühe.
Marita Bernhardt

Die Ausstellung und auch die Vorträge sind sehr interessant. Vielen Dank.
Ada Wagner

5. August: Für mich war die Ausstellung höchst interessant, da sie meine Recherchen über die Dienstzeit meines Vaters in Erinnerung in Frankreich und Belgien 1914 – 1918 sehr berührte.

Ich selbst, Jahrgang 1928, wurde bei Kriegsausbruch als Luftwaffenhelfer eingesetzt. Hoffentlich bleibt meinen Söhnen ds gezeigte Leid erspart, Kassel , den 5. August 2014. Hilmar E.

Sehr informativ und ergreifende Bilder und Berichte. Hoffentlich trägt die Ausstellung dazu bei, dass Frieden bleibt.
A. und W.  Winneknecht

6.8.
Wie immer, sehr gute gelungen. Ich bitte um Kontaktaufnahme (Fürst Pückler).

9.8.2014
Eine gute Initiative, wirkte aber auf mich unterschiedlich gut aufbereitet. Habe zwar ein Geschichtsstudium abgeschlossen, konnte mir aber nicht alle Schautafeln und Zweiwort-Kommentare erschließen. Vor allem bei Themen wie deutschen Kriegsverbrechen fehlt jeglicher Begleittext, dabei sind doch diese Themen wichtig, damit die Intension der Ausstellung kein „Geschmäckle“ bekommt. Im Gegensatz zu meinen Vorschreibern empfinde ich die Ausstellung in weiten Teilen eben nicht als mahnend.
Danke aber für die vielen Eindrücke und persönliches Material und natürlich das große Engagement wider den Krieg.
Dr. Tscheuschner

12. August
Für mich war die Ausstellung sehr interessant.Mein Großvater war im der 167. Infanterie-Regiment und ist 1916 gefallen.
Vielen Dank für die Organisation. Da steckt viel Arbeit und Zeit dahinter.
Liselotte Götte

Danke für die Mühe, die sie sich über das Zusammenstellen dieser Ausstellung gemacht haben. Es war für mich als „Kasseläner“ sehr interessant.
R.Z.


Mein Vater Heinrich wurde im August 1914 zum II. Garderegiment zu Fuß unter der Führung des Grafen von Schwerin in Berlin eingezogen. Sein Regiment kämpfte auf dem Schlachtfeldern von Verdun und erlitt große Verluste. Mein Vater war als Melder eingesetzt und hatte das Glück als sogenannter „Bursche“ dem Grafen hinter der Front persönlich zu dienen. Er wurde 1918 unversehrt als Gefreiter mit EK 2 entlassen und kehrte glücklich in seine Heimatstadt Großalmerode zurück.
Kassel, den 13.8. 2014
Hermann K.

Lasst euch nicht wieder verführen!
Winfried Weik

Eine sehr interessante Ausstellung, die sehr betroffen macht
13.8.2014, Herbert Kellig

Bewegend, bedrückend und aufschlussreich.
13.8.2014, Ch. Bernsdorf

Herr Körner, herzlichen Dank für die detaillierte Ausstellung.
W. Wülfken, 15.8.2014.

Ich fand die Ausstellung sehr berührend. Man sieht wie der Alltag 1914- 1918 für die Soldaten war. Ich selbst war im Elsass und habe die Gefechsfelder
gesehen. Dort sah man die Schützengräben und sogar eine alte Schaufel.
Sofia M. 13. Jahre, Kassel 17.August

Nach meiner Auffassung: Egal,  wie lange es her ist:Kriegszustände und Folgen, die festgehaltenen persönlichen Erlebnissen von Kriegern und Angehörigen; von der Last für Frauen, Kinder, Zerstörung auch der Natur, Qual der Tiere (Pferde im Einsatz) bleiben aktuell. Auch die aus Kriegen oder Teilnahme an Kriegen gegenwärtig entwickelten Legitimationen und Moralvorstellungen sind folgenrfeich für Gesellschaften. Die Realitäten herzubringen und im öffentlichen Raum zu zeigen ist wichtige und wichtige politische Arbeit aller Beteiligten. Und zeugt wie hier, dass es Unterschiede gibt zwischen was wirklich war/ist und postulaten, politischen Entscheidungsrahmen, die Krieg legimentieren ohne Reflektion
A. Schmidt, Schauenburg
17.8.2014

Danke für die Perspektive aus Soldatensicht, das ist sehr wertvoll!
17.8.2014, Dr. Mechthild von Lutzau


Ein paar Fragen und Bemerkungen zum Ende der Ausstellung

Die Ausstellung fand am Anfang der Sommerferien statt. Diese Tatsache machte uns schon sorgen. Aber durch die Berichterstattung in den Medien wurde dieses Manko wieder gut gemacht.

Vom 1.August am waren täglich 60 bis 100 Besucher zu verzeichnen,
und bei der Eröffnungs- und Schlussveranstaltung waren es an die 100 Besucher. Mit dieser Anteilnahme bin ich sehr zufrieden, da ich im Bürgersaal jeden Tag von 10.00 bis 17.00 Uhr ansprechbar war, hat sich der Zeitaufwand gelohnt.


Die Beteiligung an der Besucher an der Diskussion nach Veranstaltungen war ausgesprochen lebhaft, da viele Erinnerungen aus Erzählungen ihrer Väter wieder ins Bewusstsein rückten und erzählt und verarbeitet werden wollte.
Es gab an jedem Tag viel Zustimmung und Lob für die Ausstellung und deren Inhalte. Nach einer Woche war mir klar, dass die Ausstellung den Nerv der Kasseler traf und der Lob aus dem Herzen kam.


Gab es anregende und interessante Gespräche über die Beiträge hinaus?

Allgemein wurde geäußert, dass in den Ferien die Schulklassen nicht anwesend sein konnten und das die Ausstellung deshalb noch einmal gezeigt werden sollte.

Eine US-Bürgerin sagte, dass die Gedenkkultur an die Gefallenen in den USA eine größere Anteilnahme findet als in Deutschland.
Hier kennt man wohl keine Veteranenverbände oder öffentliche Gedenkveranstaltungen an die Toten des I. Weltkrieges.

Ein belgisches Ehepaar beglückwünschte mich ebenfalls zur gelungenen Ausstellung und machte darauf aufmerksam, doch einmal Flandern und Ypern zu besuchen, um den Stellungskrieg beurteilen und anschauich präsentiert zu bekommen.


Es wurde größtenteils gesagt, dass sich diese Grausamkeit des Krieges sich nicht wiederholen darf un dann gab es noch das Thema Ukraine, um deutlich zu machen, dass 1914 und 2014 schon eine Parallele aufweist. Mit Sorge schaut man nach Russland und auf die EU und hoffte, dass es zu Verhandlungen kommt.


Wird es eine Veröffentlichung und Begleitmaterial geben?

Ich arbeite daran und bin durch mein ununterbrochenes Engagement in den letzten acht Monaten, daran interessiert ein Buch zu veröffentlichen. Da ich meinen II. Teil des Weinbergbuches und der Geschichte dr Südstadt fertig habe, wird wohl die Ausstellung dort eingearbeitet werden können. Dort wo es passt zum Beispiel Ehrenmal im Auehang, auf dem Weinberg und die Soldatenfriedhöfe in Niederzwehren. Aber ein sehr umfangreiches Buch wird es spätestens zu den weiteres Ausstellungen veröffentlicht werden.

Werden Sie sich auf weiter mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen beschäftigen?

Folgeveranstaltungen werden schon geplant:
- Vortrag in Melsungen Ende September
- Im November Gedenkveranstaltung an den Gedenkstätten im
   Soldatenfriedhof Niederzwehren, m Ehrenmal und auf dem
   Weinberg.
- Ausstellung bei den Jahresveranstaltungen der Kameradschaften der ehemaligen Bundeswehreinheiten hier in Kassel

Vielleicht ist evtl. ist die Volkshochschule und das Stadtmuseum auch noch interessiert etwas zu übernehmen

Und dann gibt es noch bis 2019 viele Erinnerungsveranstaltungen, z.B:
 - 150 Geburtstg von Philipp Scheidemann in 2015
- Ausbruch der Typus-Epedemie Gefangenenlager
  Niederzwehren im Frühjahr 2015
- Kassel zwischen Munitionsfabrik und
  Lazarette
- Die Frauenbewegung und der Erste Weltkrieg

bis zur Revolution am 9.November und die Situation in Kassel

und die Folgen des Ersten Weltkrieges für Deutschland und Europa

An Themen mangelt es nicht. Wünschen sie uns Kraft und finanzielle Unterstützung, dann ist vieles machbar.

Ziel bleibt die Ausstellung im nächsten Jahr noch einmal zu präsentieren.

Heinz Körner



Mögen die jungen Menschen Multiplikatoren werden für den Kampf gegen den Krieg!