Philipp Scheidemann                   Albert Grzesinski                           WilliSeidel

1919 Reichskanzler        Vors. des Arbeiter-              Oberbürgermeister 1946

                                     und Soldatenrates in Kassel


115 Jahre SPD Ortsverein Kassel Südstadt


Wann gab es die ersten Anfänge im Südviertel?

Die ersten Organisationsversuche nach Aufhebung des so genannten „Sozialistengesetzes“ beschränkten sich auf einzelne Straßen im Viertel, denn

das Frankfurter Tor Viertel gehörte noch zum SPD Stadtbezirk 1 (Stadtmitte und angrenzten Straßen), Aufgabe war die Verteilung von Flugblättern, Unterstützung bei Wahlen , Wahlaufrufen und Veranstaltungshinweisen ( ab 1890).

1890: 10 Stadtbezirke

1892: Casseler Volksblatt erschien regelmäßig (Parteiorgan)

1899: neue Stadtbezirke kamen durch Eingemeindungen hinzu,

1904: Beschluß zu einer neuen Organisationsform, Agitationskommissionen

wurden gegründet, die Vorschläge ausarbeiten sollten.

Verantwortliche wurden gewählt, besonders Kassierer und Vorsitzende

1908: Wahlen von Vorstanden, die nicht nur durch einen Genossen repräsentiert waren wie

bisher.


Wo lagen die Schwerpunkte im Viertel

Das Frankfurter- Tor- Viertel entsteht um die Jahrhundertwende. Bis 1907 war die Frankfurter Straße bebaut, das Beamtenviertel schon ab 1895 (zwischen Landaustraße und Hofbleiche)

und die Häuser des Spar- und Bauvereins in der Heinrich Heine Straße 15-19 entstanden 1999.

Hier lag auch die Wiege der Arbeiterbewegung im neuen Viertel. Mieter kamen aus dem Baubereich, deren Gewerkschaft, dem Holzarbeiterverband und deren Spitzenfunktionären.

Das Restaurant „Gelbke“ wurde ihr Versammlungslokal.


Gleichzeitig kamen viele Mitglieder der SPD aus der Frankfurter Straße und deren Hinterhäuser, die bei Crede` arbeiteten.


Wer waren die führenden Genossen im Stadtteil?

Zweifellos führende Gewerkschaftsmitglieder, z.B Anton Schmidt aus der Frankfurter Straße 111, Betriebsrat bei Crede` oder Hans Eckel, Adolf Lesser aus der Heinrich- Heine- Straße 17 + 19, beide Vorstandsmitglieder oder Vorsitzende der Gewerkschaft der Holzarbeiter, um nir einige zu nennen, die nach 1918 auch Stadtverordnete wurden.


Welche Organisationen gehörten zur Arbeiterbewegung?

Der junge Stadtteil, gerade erst bebaut, formierte sich. Alle Parteien waren in der Frankfurter Straße vertreten. Zur Arbeiterbewegung gehörten besonders die Gewerkschaften, die hier bei

Gelbke oder bei größeren Veranstaltungen ins TIVOLI gingen. Arbeitersport, Freie Turnerschaft, Konsum, Arbeitergesangverein, Radfahrvereine waren hier zu Hause.

Besonders aber die Arbeiterjugend, die in der Wittichstraße 17 (Heinrich-Heine-Straße) ihr Heim hatte. 1909 in Kassel gegründet, kamen viele Jungen und Mädchen aus dem Frankfurter Tor Viertel und besonders aus den Häusern des Spar-und Bauvereins. Die Gruppe Süd wuchs zu einer bestimmenden Gruppe innerhalb der Sozialistischen Arbeiterjugend in Kassel heran.

Darunter auch Heinrich und Paula Eckel.


Welche Ergebnisse brachte die straffe Organisation?

Die SPD wurde seit 1904 von Wahl zu Wahl stärker und konnte 1912 zur Reichstagswahl

ein triumphales Ergebnis vorzeigen. Philipp Scheidemann wurde Reichstagsabgeordneter.

Außerdem gab es einen Zusammenhalt im Viertel, ein gutes nebeneinander, man konnte sich

frei entfalten – fühlte sich einfach wohl. Was auch für die 1920er Jahre zutrifft.

Man hielt zusammen und nutzte die Angebote der Arbeiterbewegung. Viele Genossen gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Konsum. Willi Brödner, Frankfurter Straße 141, wurde Geschäftsstellenleiter in der Frankfurter Straße 93 (Schwiegersohn von Adam Schmidt).


Und in den schwierigen 1920er Jahren?

Zuerst gab es eine große Hoffnung. Weg von den Mief der Kaiserzeit, besonders die Frauen und Jugendliche wollten sich frei entfalten können und ihr Leben leben.

Zunehmend begann aber der Kampf um die Republik

Große Versammlungen wurden jährlich zum Verfassungstag am 11. August in Park Schönfeld organisiert und besonders zu erwähnen ist das FEST DER ARBEIT 1929,

das von der gesamten Arbeiterbewegung getragen wurde und zur großen Abschlusskundgebung mit Philipp Scheidemann im Park Schönfeld aufrief. Alle Gewerkschaften und Mitglieder der Bewegung formierten sich zu einem Festzug.

Die Sozialistische Arbeiterjugend trug das Massenschauspiel “Spartakus“ vor.

Schon ein Jahr später marschierten das Reichsbanner, Gruppe Süd, in der Eisernen Front mit, ebenfalls nach Park Schönfeld, um für die Republik zu kämpfen gegen die aufkommende Diktatur von rechts.

Im Südviertel bei Gelbke probte auch das politische Kabarett „die Rote Kommode“, die

Die Politik der NAZIS auf die Schippe nahm oder durch den „Kakao“ zogen, wie sie es nannten.


Die letzte Sitzung des SPD Bezirks Frankfurter Tor fand im Februar 1933 im „Südend“ statt. Wenige Monate später wurde die SPD verboten und viele Mitglieder mussten um ihr Leben fürchten, wurden verfolgt, eingesperrt, bekamen keine Arbeit.

Die Organisation wurde zerschlagen. Das Eigentum beschlagnahmt.

Seit 1935 Reichskriegertage in Kassel

Wenige Jahre später marschierten die „Krieger“ zum Reichskriegertag nach Kassel und auch über die Frankfurter Straße zur Karlswiese zur großen Abschlusskundgebung.

Die Mitglieder, die der Verfolgung entkamen, gingen in die „Innere Emigration“ und trafen sich im so genannten “Kränzchen“, so konnte man Kontakt halten, sich austauschen und überleben.


Das Frankfurter Tor Viertel ging in der Bombennacht des 8./9. März 1945 unter.

Aus den Trümmern wuchs die neue Südstadt empor, damals Kassel Süd genannt.


1945 begann der Wiederaufbau der Parteiorganisation


Walter Georgi, 1933 Vors. der Reichsbannergruppe Süd und die früheren Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend waren sofort zur Stelle, um die Parteiorganisation wieder aufzubauen. Walter Georgi wohnte in der Frankfurter Straße 129. 1946 hieß der Bezirk Süd noch Frankfurter Tor. Nach der Neuordnung und neue Einteilung der Stadtbezirke wurde das

Viertel unter dem Weinberg Kassel Süd genannt.

Am 26. Mai 1946 fanden die ersten Nachkriegswahlen in Kassel statt.

SPD = 31.122 Stimmen = 51,62 %

CDU = 15.380 Stimmen = 25,51%

LDP = 7.354 Stimmen = 12,50 %

KPD = 6,248 Stimmen = 10,37 %


Die SPD erhielt somit die absolute Mehrheit.


Die Südstadt war 10 Jahre mit ihrem Wiederaufbau beschäftigt (1945-1955),

anschließend Bebauung des Auefeldes (1955 bis 1965) und dem Behörden – und

Gewerbestandorts Süd an der Raiffeisen- und Knorrstraße.


In den 1960er Jahren hatte die Südstadt ihre größte Einwohnerzahl erreicht und die

SPD in der Südstadt über 350 Mitglieder.


Eine besondere Leistung der SÜD Kassel Südstadt war die Aufarbeitung der Geschichte des Stadtteils mit dem Ziel Stadtteilidendität zu fördern und den Menschen wieder das Gefühl von HEIMAT zu geben.

1988: Die Südstadt, erstes Südstadtbuch

1988: Gründung der AG Südstadt durch den Vors. des SPD OV Heinz Körner.

1989: das erste Südstadtfest, organisiert von der AG Südstadt,

Ausstellung 100 Jahre Südstadt in der Johanneskirche

1990: Kassels Südstadt, zweites Südstadtbuch

2003: Der SPD OV Kassel Südstadt wird beim SPD Bundesparteitag in Bochum mit dem 3. Preis für hervorragende Vertrauensarbeit ausgezeichnet.


Heute ist der OBR Süd in OBR Südstadt umbenannt.

Die Stadt änderte die Stadtteilbezeichnung von Kassel Süd in Kassel Südstadt,

vorher wurde im OV der SPD die Änderung schon vollzogen.


Diese Entwicklung war das Verdienst des SPD OV und ihrem Vorsitzenden Heinz Körner,

der mit Klaus Schneider zusammen 1987, 1988 sehr viele Interviews mit Südstädtern geführt hat, um Material und Fotos für das Südstadtbuch zu bekommen. Woraus sich auch Kontakte zu Vereinen und Geschäftsleuten ergaben, die auch daran interessiert waren, die Südstadt mithelfen zu gestalten. Eine gemeinsame Sitzung des Vorstandes SPD Kassel Süd mit deren

Stadtverordneten Renate Sedelmayer und Fritz Horn, und Herbert Matzat mit OBR-Mitgliedern bei den Wassersporttreibenden Vereinen am Auedamm ergab, dass Bereitschaft zur Unterstützung einer Initiative zur Gründung einer AG Südstadt vorhanden war.


Der SPD Ortsverein Kassel Süd lud am 8. Dezember 1988 im KSV Klubheim ein, um die AG Südstadt zu gründen.

Auf Vorschlag von Fritz Horn wurde der Ortsvorsteher Herbert Matzat als Vorsitzender

Einstimmig gewählt und beauftragt, das Südstadtfest im September 1989 vorzubereiten.

Der SPD Ortsverein begleitete die Anfangsphase der AG und die Südstadtfeste, die alle zwei Jahre stattfanden mit aller Kraft. Wir wollten den Erfolg der AG und der Südstadtfeste.

1995 nach drei erfolgreichen Südstadtfesten wurde die AG Südstadt zur Arbeitsgemeinschaft Kasseler Südstadt e.V. und Fritz Horn als Vorsitzender bestätigt.


Insgesamt ein Erfolg der Sozialdemokraten in der Südstadt.




Kleine Chronik der SPD Parteiorganisation UB Kassel


Eingemeindungen in Kassel:

1899: Wehlheiden, das Gesetz zum Anschluss Wehlheidens trat am 1. April in kraft.

1906:   Wahlershausen, Kirchditmold, Rothenditmold, und Bettenhausen werden      

          mit der  Stadtgemeinde Cassel vereinigt.

1926: Vereinigung mit der Domäne Fasanenhof.

1928: Gutsbezirke Kragenhof, Wilhelmshöhe, der Gutsbezirk Kirchditmold (Forst)

          und der Gutsbezirk Ehlen kamen hinzu.

1936: Harleshausen, Wolfsanger, Waldau, Niederzwehren, Oberzwehren und 

          Nordshausen folgen.


Gründung einer einheitlichen Parteiorganisation 

          für den Wahlkreis Kassel - Melsungen


1890: Sozialdemokratisch (Arbeiter) Wahlverein Kassel Melsungen und die Partei  wurde in Rothenditmold im Lokal Grebe wieder gegründet. Der große Wahlkreis musste gut betreut werden, deshalb wurde ein Netz vieler kleiner Zellen geschaffen. In Kassel gab es 1896 zehn Bezirke (Ortsvereine). Stadt und Land wurden mit einem Netz von Vertrauensleuten überzogen, die für die organisatorischen Fragen, aber auch für den Vertrieb des “Casseler Volksblattes” zuständig waren. Die Zeitung “Volksblatt für Hessen und Waldeck” erschien ab 1891 und ab 1892 sechsmal wöchentlich.


1892: Der “Bunte Bock” steht als Vereinslokal zur Verfügung.

          Vertrauensmänner für jeden Bezirk werden berufen.


1893: Der II. Hessische Parteitag am 22. Januar in Fulda beschäftigt sich auch 

          mit der Organisationsfrage. Eine Aufgabe, die bis 1908 auf dr  

          Tagesordnung stehen wird.

          Es wurde ein Beschluss gefasst, dass alle Genossen der Provinz Kassel  - 

          Waldeck für das “Volksblatt” eintreten. Ein weiterer Antrag beschäftigt 

          sich mit der Straffung der Organisation. In allen Orten, wo Genossen 

          vorhanden sind, ist nach dem Parteitag ein Vertrauensmann zu wählen 

          und diesen der Parteiführung mitzuteilen. Ebenso wird ein Antrag 

          beschlossen, die allen Genossen ur Pflicht macht, in die Gewerkschaft          

          ihrer Berufe einzutreten.

          Die Einteilung des Kasseler Wahlkreises in Bezirke.

1894 : Ein weiteres Wahlgesetz, welches die Bezirksgründungen begünstigte, 

           war das in Kassel ab 1894 gültige “Provinzial-Landtags-Städteordnung 

           und Dreiklassen-Wahlsystem. In § 16 heißt es: “Enthält eine 

           Stadtgemeinde mehrere Ortschaften, so kann sie mit Rücksicht darauf in 

           Wahlbezirke eingeteilt werden - für eine Abteilung, in welcher mehr Als 

           5000 Wähler vorhanden sind, können Wahlbezirke gebildet werden.

           So entstanden in Kassel die Bezirke 1 - 10. (siehe “CV- 

           Bezirkseinteilungen“) seit 1897.


Parteifinanzierung fördert feste Strukturen in den Bezirken.

1903: Bericht des Vorstandes an den Parteitag zu Dresden 1903 (Auszug)

Dem Aufbau der Organisation widmen sich die Genossen allerorts die größte Aufmerksamkeit und das mit recht. Beruht doch auf eine gute Organisation der Erfolg des Kampfes und die Möglichkeit, erkämpfte Positionen zu behaupten. Wiederum ist eine größere Anzahl Partei-Orte und auch Wahlkreise dazu übergegangen, Wahl- und respektive Kreiswahlvereine mit festen Beiträgen zu bilden. Um der Agitation eine feste und gesicherte Grundlage zu geben. Durch die Reichstags-Wahlagitation gefördert, ist in fast allen Wahlvereinen die Mitgliederzahl in erheblichem Maße gestiegen und damit eine wesentliche Verbesserung der Parteifinanzen erzielt worden.


Beschlüsse zur Straffung der Parteiorganisation auf dem 13. Hessischen Parteitag 1903:

- Parteiorganisation soll gestrafft und schlagfertig ausgebaut werden.

- Anträge dazu werden an die zuständigen Parteigremien gestellt..


Auf dem 14. Hessischen Parteitag gab Genosse Thöne aus Kassel bekannt, dass

die Arbeiten zur Reorganisation der Agitation in Kassel in Angriff genommen sei. Dieser Plan soll auf der nächsten Wahlkreiskonferenz diskutiert werden. Es wurde eine Resolution verabschiedet, die im Prinzip einen planmäßigen Ausbau der Wahlkreisorganisation zum Ziel hatte.


1905: Am 13. August, Gaststätte “ZUM ANKER” Wehlheiden,  fand die erste Generalversammlung der Sozialdemokratischen Partei für den Wahlkreis Kassel - Melsungen statt. Genosse Thöne führte aus, dass die Partei in Kassel kräftig Fuß fasste und anschließend auch auf dem Land.  1904 seien in der Stadt bedeutende Fortschritte gemacht worden. Allerdings bemängelte der Vorstand, das das Bezirksmännersystem besser ausgebaut werden müsse, damit die eingebrachte Arbeit sich besser entfalten könne. Eine regere Beteiligung an den Arbeiten seien erwünscht. Vielerorts scheitere eine stärkere Zunahme der Partei an der Lokalfrage, um Versammlungen abhalten zu können. Es sollen die Wirte unterstützt werden, die Räume zur Verfügung stellen.


Vom Vertrauensmänner-Funktionär zu den ersten Vorstandswahlen 

Am 14.November 1905 erscheint im “Casseler Volksblatt” der Entwurf eines Statuts der Landesorganisation der Sozialdemokratischen Partei in Hessen-Nassau. Am 20. Oktober 1905 berichtet das “Volksblatt” über die Umsetzung einer “strafferen Organisation”, um die Forderungen des Jenaer Parteitages und der dortigen Verabschiedung besser erfüllen zu können.

Ziel:  zentralistische Ausgestaltung der jetzigen Organisation und dass die Kreiswahlvereine sich zu Bezirksverbänden zusammenzuschließen haben.


Die lose Vertrauensmänner-Zentralisation .genügt mischt den Anforderungen der Jenaer Beschlüsse. Deshalb wurde übe reine neue Form der Bezirksorganisation entsprechend dem Jenaer  Organisationsstatut beraten.

Organisationsvorschlag:

a) gemeinsamer Bezirkverband

    Kassel, Melsungen, Fritzlar-Homberg, Eschwege-Schmalkalden, Hersfeld-  

    Hünfeld, Rinteln-Hofgeismar und das Fürstentum Waldeck.

b) Wahl einer Bezirksleitung

c) in den sechs angeschlossenen Wahlkreisen ist ein Kreiswahlverein zu gründen.

In allen Orten des Wahlkreises in welcher Parteigenossen vorhanden sind, sind Ortsvereine des Kreiswahlvereins zu gründen.

d) Der von den Kreisvereinen an allen Orten zu erhebenden Beitrag beträft 20 Pfg 

    monatlich. Davon werden abgeführt:

    20% an die Zentralkasse Berlin

    10%  an die Bezirksorganisation

    20%  an die Ortsvereine

    50 % verbleiben in der Kasse des Kreiswahlvereins.


Die Agitationskommission der Provinz und der Vorstand des Wahlvereins Kassel - Melsungen ersuchen nunmehr in den Versammlungen zu den Vorschlägen 

   Stellung zu nehmen. Schaffen wir uns eine Organisation, die uns gute Dienste 

   leistet im proletarischen Emanzipationskampf.


Beratung für das Regulativ der Bezirksorganisation

Am 7. Dezember 1905  fand auf dem ”Blauen Bock” eine Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt, die sich mit dem neuen Regulativ für die Bezirksorganisation beschäftigte. Zur Schaffung einer strafferen Organisation, sei es eine Vorbedingung, das gute funktionieren des Vorstandes und Verwaltungskörpers! Das beschlossene Regulativ regelt in präziser Weise in neun Paragraphen das Verhältnis der Parteifunktionäre untereinander und den Parteigenossen gegenüber. Weiterhin wird ein hauptamtlicher Parteisekretär gefordert.

Landesverband  Hessen aus den Bezirken Kassel und Frankfurt beschlossen

10. September 1905: 15. Hess.  Provinzialparteitag in Kassel. Die Bezirke Kassel und Frankfurt bilden einen Landesverband . “Am wichtigsten ist es jetzt eine einheitliche straffe Organisation zu schaffen“, erklärte Genosse Hüttmann.


Die neue Organisationsform tritt in kraft

 (Parteistatut)

1. April 1906: Das neue Parteistatut tritt in kraft. Eine hauptamtliche Bezirksleitung wird bestellt.

Am 1.7.1906 tritt Oskar Folge sein Amt als erster Bezirkssekretär an. Ein Parteisekretariat wird geschaffen..

Am 1. Juli 1907 übernimmt Georg Thöne dieses Amt.


2.12.1906: erste Konferenz des Agitationsbezirks Kassel 

                   Die Organisation hat seit 1904 eine Vereinheitlichung erfahren. Im 

                   April 1906 trat das in Gemeinschaft mit dem Bezirk Frankfurt 

                   beschlossne Organisationsstatut in kraft. Am 1. Juli wird in Kassel 

                  ein Parteisekretariat eingerichtet.

                   In allen Kreisen bestehen Keisvereine. Zum Vorstand gewählt 

                   wurden: Genossen Bechmann, Boch, Kämpfer, Müller, Strasser. 

                   Bei der Konstituierung wurde Müller als Vorsitzender und Bechmann 

                   als 2. Vorsitzenden, Kämpfer als Kassierer  gewählt. Strasser wurde 

                   Schriftführer.

7. Dezember 1908: II. Bezirkskonferenz des Agitationsbezirks Kassel 

Bericht:

- es wurden 32 Genossen als Referenten für Veranstaltungen vermittelt

-es fanden 51 Veranstaltungen statt

- im Herbst 1906 wurde ein Agitationskalender in der Auflage von 30 000   

  Exemplaren und ein Flugblatt über politische Tagesfragen in einer Auflage von 

  125 000 Stück verteilt.

- Vom 1. Oktober 1907 bis 30. Juni 1908 haben im Bezirk stattgefundne:

  148 Versammlungen + 12 Besprechungen +16 Sitzungen und 6 Konferenzen.

   Es wurden 200 000 Flugblätter verteilt und 5000 Kalender. Im Fordergrund der 

  Agitation stand der ostpreußische Wahlrechtskampf und die Landtagswahlen, 

  sowie die Parteiversammlungen gegen das Vereinsgesetz.

Stand der Organisation:

1. Oktober 1906  = 2 512 Genossen,

 30 Juni 1908      = 3.585 Genossen.

    

Genosse Thöne:

“Die Zunahme beschränkt sich ausschließlich auf den Walkreis Kassel-Melsungen. Die wirtschaftliche Krise habe sich hemmend auf die Entwicklung der Organisation ausgewirkt, diese besonders bei den Bauhandwerkern. Von den bei der Reichstagswahl abgegebenen Stimmen ist festzustellen, das nur 11% unserer Wähler auch organisiert sind. Um die Organisation weiter auszubauen und Mitglieder zu gewinnen bringen uns die Versammlungen keinen Schritt weiter. Al s zweckmäßig haben sich die Besprechungen erwiesen, zu denen wir meistens die gewerkschaftlich- organisierten Arbeiter einladen. Auf diese Weise

ist es gelungen, in vielen Orten eine Organisation  oder gestärkte 

Organisation zu schaffen.”


Mitgliederzuwächse kommen nicht von allein

Auch die III. Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Kassel -Melsungen, die im August 1907 stattfand, musste man sich wieder mit der Organisationsfrage beschäftigen. Es kommt jetzt, so wird berichtet, entscheidend darauf an, Vertrauensleute, Vereinsvorsitzende, Gewerkschaften und die nahe stehenden Turn- und Sportvereine für die Agitation zu gewinnen.


16.Oktober 1909: Zweite Hessen- nassausche Provinzialkonferenz

Auch die Zweite Hessen - nassausche Provinzialkonferenz in Frankfurt irr zum beschäftigte sich mit “Neuen Organisationsfragen und unserer Organisation”. Es

Wird zum Ausdruck gebracht, dass erst in 59 Orten des Agitationsbezirks mit 400 organisierten Genossen der Einstieg in eine gute Organisation gelungen sei. Wichtig sei es aber in allen 1700 Orten Fuß zu fassen. Deshalb steht weiter die Mitgliederwerbung im Vordergrund. Nur n den Versammlungen um Mitglieder zu werben bringe keinen Erfolg. Die Arbeiter müssten zu Hause in ihrem Wohnbereich aufgesucht werden. Einzelne Personen müssten geschult werden, damit sie für die Partei zu werben verstehen.


September 1908 :Die Parteiorganisation findet ihrem vorläufigen Abschluss 

Im Herbst 1908 werden in allen Bezirken (OV),  Vorstandswahlen durchgeführt,

um regelmäßige Besprechungen auch mit Gewerkschaftsmitgliedern durchzuführen, um einen schnelleren Organisationsaufbau zu gewährleisten.

- Kassiererwesen ist zu organisieren

- Flugblatt- und Verteilerorganisation

-Veranstaltungen durchzuführen.

- Auszüge “CV”  1908 - Aufruf Vorstände zu wählen.

Wichtige Themen, die im neu erbauten Gewerkschaftshaus stattfanden:

1909: ”Die Brantwein Liebesgaben”.

1910: “Situation im Wahlrechtskampf” und immer wieder steht das ungerechte 

           “Dreiklassenwahlrecht” auf der Tagesordnung, das erst 1918 beseitigt 

             werden konnte.


16.Juni 1909: Mitgliederversammlung Sozialdemokratischer Verein

Georg Thöne gab einen Bericht  über die Agitation im Wahlkreis ab, wobeier folgende Punkte hervorhob:

- Am 30. Juni sollen in allen Bezirken Mitgliederversammlungen zum Zwecke 

   der Mitgliederwerbung durchgeführt werden.

- eindringlich wurde die Notwendigkeit dieser Aktion begründet, die Organisation sei stark, aber die Gegner hätten auch gelernt, sich zu organisieren. Georg Thöne weiter:” Heute weiß jeder in der Arbeiterbewegung, dass ohne eine gut organisierte Masse nichts zu erreichen ist. Die beste Agitation ist und bleibt  die von Mund zu Mund. Ein gutes Ergebnis kann nur erzielt werden, wenn jeder Parteigenosse sich seiner Bezirksleitung zur Verfügung stellt und seine volle Schuldigkeit tut. Wir sind allein in der Stadt nebst eingemeindeten Vororten 2000 Mitglieder, gehen wir den kommenden Sonntag voll ans Werk, dann werden wir mit Freuden auf die unausbleiblichen Erfolge zurückblicken können.” Außerdem wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass unter den gewerkschaftlichen organisierten Arbeitern viel energischer für das “CV” und die Partei zu werben sei.

Entschließung:

Die Vorstände aller Arbeitervereine sollen in allgemeinen den Mittwoch für die Versammlungen der Partei freihalten. Andere Versammlungen seien nicht abzuhalten, um nicht mit wichtigen Parteiveranstaltungen zu kollidieren.


15. August  V. Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Kassel-

      Melsungen (Auszug aus dem Geschäftsbericht)

- in Kassel fanden 10 Mitgliederversammlungen statt

- sechs Sitzungen mit Bezirksleitungen

- zwei Sitzungen mit dem Agitationskomitee

- drei Sitzungen mit dem Kartellvorstand.

Das auf der vorigen Generalversammlung beschlossene “Bezirksführersystem”

Ist noch nicht zur Geltung gekommen. Auch das System der “Bezirksleitungen” muss noch besser zur Geltung kommen.

Das Maifest auf “Raabs Bergarten” war  besser als je zuvor besucht. Die Lokalfrage spielt aber im Bezirk immer noch eine große Rolle. Von 40 Orten im Landkreis kommen nur 21 in betracht, in den wir Versammlungen abhalten können. Von den 64 Orten des Kreises Melsungen stehen uns nur in  sieben Orten Lokale zur Abhaltung öffentlicher Versammlung zur Verfügung.

Mitgliederentwicklung im Wahlkreis Kassel - Melsungen

1905             =  500

1906             = 1000

1908             = 3568

1911            =  4667  in 55 Ortsgruppen.


Reichstagswahl 1912

Die großen Bemühungen die Organisation in richtige Bahnen zu lenken hat sich 1912 zur Reichstagswahl ausgezahlt. Georg Thöne wird erster Reichstagsabgeordneter des Wahlkreisen Kassel-Melsungen, der direkt in den Reichstag gewählt wird.


1912: Die Genossen Thöne und Hüttmann (Frankfurt) ziehen als erste direkt  

          gewählte Sozialdemokraten in den Reichstag ein.

1927: 12.000 Mitglieder in 300 Ortsgruppen.




Die Vereine der Arbeiterbewegung in der Gründerphase

des “Frankfurter- Tor- Viertels” in Kassel 1899 -1933


Das neue Viertel wurde ab 1895 bebaut, zuerst für Soldaten und Beamten und seit 1899 für die Arbeiterschaft, die in der Waggonfabrik Credé, bei Henschel oder anderen industriell aufstrebenden Fabriken arbeiteten. Bis zur Jahrhundertwende änderte sich die soziale Struktur und bis 1912 waren alle Zweige der Arbeiterbewegung im Viertel zu Hause und bildeten eine SPD-Hochburg. Die Wiege der  Arbeiterbewegung stand im damals  im Aueweg 13 -17.

Die Häuser wurden vom Spar-und Bauverein 1899 gebaut. 1894 kaufte der Fabrikant Ferdinand Berneburg die Grundstücke. 1990: Begründer des Vereins.

Seit 1905 wurde die Straße umbenannt in Wittichstraße, heute Heinrich-Heine-Straße. 1908 wohnten hier sehr viele Holzarbeiter, so auch die Gewerkschafter und Stadtverordneten Lesser in Nr. 15 und Eckel in Nr.19. Im Hinterhaus gab es einen Kindergarten des Fröbel Seminars und die Arbeiterjugend hatte hier ihre Treffpunkte, später die SDAJ. Die Gaststätte Gelbke war Treffpunkt und Veranstaltungsort. Leider waren die Räumlichkeiten sehr beengt, so dass sich dort die Arbeitsgruppen und in den 1920er Jahren die erstarkte Frauengruppe des SPD Bezirks 2 dort trafen. Noch heute sind an den Fensterfronten der Nr. 17/Ecke Gersdorfstraße erkennbar, dass hier einmal eine Gaststätte eingerichtet war.

Im September 1908 wurde in der Gaststätte “Frankfurter Hof” im September der erste Vorstand des Bezirks 2, Frankfurter Tor, gewählt. 

Seit 1897 war der Bezirk Süd (Frankfurter Tor) mit Vertrauensleuten und einer Verteilergruppe aktiv.


Mitgliederversammlungen - Wahlkampfveranstaltungen:



Fotos: Haus Spar - und Bauverein, Adam Schmidt, Betriebesrat bei Credé mit Ehefrau Bertha, Arbeiterjugend , ( aus den Familien Lesser und Eckel rekrutierten sich Mitglieder der AJ in der Südstadt) in den 1920er Jahren kamen noch Henner und Trudi Nieft hinzu..

Am 17.6.1914 fand die letzte  allgemeine Bezirksversammlung im “Weinbergkrug” statt. Nach dem Ende des Krieges versammelten sich die

Genossen wieder dort. Vorstandsmitglieder: Anton Schmidt, Adolf Lesser, Hans Eckel, Wilhelm und Helene Gunkel, Georg Landgrebe, Emil Pohl, Chr. Heckmann, Paul Mäder, Emil Schaub, Willi Brödner, Walter Georgi, Paul Meyer und Genosse Zimmer aus dem Philosophenweg, einer der Mitbegründer der AWO. 1919.

1919 schloss sich eine starke Jugendgruppe unter dem Vorsitz von Willy Lesser, der SPD in der Südstadt an. Sie hatten ihr Heim in der Wittichstraße 17.


Am 14. Juni 1919 wurde die Wassersportvereinigung /WVC) gegründet und viele Eltern schickten ihre Kinder zur WVC, deren Vorsitzender der bekannte Schwimmsportler Jean Colett war.


Willi Brödner war Leiter des Konsums in der Frankfurter Straße 93. 1908 wurde die neunte Verkaufsstelle eröffnet. Für die Arbeiterschaft hatte das Konsum eine große Bedeutung. 


Hans Eckel, Vorsitzender der Holzarbeitergewerkschaft und Standverordneter, ebenso wie Adolf Lesser.


Die Freue Turnerschaft Süd, III. Abteilung, traf sich regelmäßig in der Sporthalle der Bürgerschule 29/30, um ihre Sport- und Trainingsprogramme durchzuführen

Der Kasseler Konzertverein bestand aus einem starken Chor der Buchdrucker, die außerdem einen starken Chor/Gesangsverein unterhielten, die “TYPOGRAPHIA”.

Er stellte auch einen starken Chor im Arbeitergesangsverein. Er war der führende Chor der Arbeiter- Mitglieder waren viele Genossen aus der Frankfurter Straße und der Wittichstraße. Vor allen Dingen waren es die Träger der politischen Arbeit vor Ort, wie Emil Schaub, Willy Brödner, Paul Meyer, um nur einige zu nennen, die sich auch im Konzertverein bewährten.

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Die Naturfreunde, die 1895 in Wien gegründet wurden, hatten auch in der Südstadt ihre Anhänger denn es war selbstverständlich, dass ein Naturfreund auch in der SPD und in der Gewerkschaft organisiert war.


Am 18.Mai 1924  wurde  das Reichsbanner Schwarz - Rot- Gold” gegründet und die Bannergruppe 2 unter Vorsitz von Wilhelm Wagner aus dem Philosophenweg 43 und Stellvertreter war der Werkmeister Walter Georgi, Philosophenweg 47, in der Südstadt geführt.  Große Veranstaltungen fanden im “TIVOLI” statt, welches auch der Hauptversammlungsort (großer Saal) der Gruppe Süd war und die Verfassungstage fanden im nahen Park Schönfeld statt.


Am 14. April 1932 wurde das “Reichsbanner” in die “Eisernen Front” eingegliedert. 

Seit 1924 fanden große Veranstaltungen “Verfassungsfeste”  am 11. August im Park Schönfeld statt. Die Arbeiterbewegung feierte in Park Schönfeld ihre großen Feste. 1929 organisierte die Partei- und Gewerkschaftsbewegung das “Fest der Arbeit” mit Massenumzügen in der Stadt und Abschlusskundgebung im Park Schönfeld, wo Philipp Scheidemann sprach und die Arbeiterjugend das große Kostüm-Schauspiel  “Spartakus”aufführte.

1933 fand bei Mäder im “Südend die letzte Bezirksversammlung vor dem Verbot der SPD statt. Paul Mäder gelang es auch noch nach dem Verbot im Hinterstübchen illegale Treffen von Genossen zu ermöglichen. Zu seinem Freundeskreis  darf er auch die Genossen Freidhof und Wittrock zählen.


1945 versammelte Walter Georgi die Südstadtgenossen wieder um sich im SPD Ortsverein Frankfurter Tor. Trudi Nieft erklärte: “ Die Frauen müssen sich in die Politik einbringen, das nie wieder Krieg möglich wird.”


Fotos. Stammtisch Südend, Gesangverein Südend,