Die Entwicklung der Kasseler Südstadt
vom Frankfurter-Tor-Viertel zum modernen Stadtteil

Blick vom Weinberg 1835                                                        Frankfurter Straße 1909

Die Entwicklung des Frankfurter-Tor-Viertels vor dem I. Weltkrieg

Mit der Fertigstellung der Husarenkaserne und des Standortlazaretts (1889) begann auch für das Südviertel die "Gründerzeit". Mit den Soldaten kamen auch die Gasthäuser in die Frankfurter Straße und unterhalb des Frankfurter Tores entstanden immer mehr Wohnhäuser. Zuerst im Philosophenweg, dann entlang der Frankfurter Straße. 1905 waren alle wichtigen Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe vertreten und die Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern bis zur Heinrich-Heine-Straße abgeschlossen. 1873 hatte die Frankfurter Chaussee, wie sie bis 1900 bezeichnet wurde, nur 32 Hausnummern und im Aueweg, der heutigen Heinrich-Heine-Straße, nur 4 Adressen, während im Philosophenweg es 26 Hausnummern gab. 1900 wurde die Frankfurter Straße, die vom Friedrichsplatz zum Frankfurter Tor führte mit der Frankfurter Landstraße zusammen geführt und als Frankfurter Straße bezeichnet.  Um 1900 war das "Beamtenviertel" bis zur Landaustraße, die einen Bogen um die "Herrschaftliche Meierei" machen musste, schon erbaut und in den Häusern der ehemaligen Meierei in der Frankfurter Straße 73 bis 77 wohnte der königliche Förster Lampmann, anschließend in 75 Oberamtmann Bartel und Oberschweizer Hert, in  77 Gärtnerei Röse. Es war abzusehen, wann die ehemalige "Domaine Meierei", wie sie auch genannt wurde, für eine weitere Bebauung Platz machen mußte. Die Gaststätte "Krokodil" in Nr. 71 gehört auch zu dieser ersten Bauphase.




Das Foto zeigt die Frankfurter Straße (damals Frankfurter Chausee genannt) 1880. Vorn Eisenmöbelfabrik Schmidt & Kerl, in der Mitte die ehemalige herrschaftliche Domäne Meierei.

Ein zusammen gesetzes Foto aus 1884 - links Schmidt & Keerl, oben der Aueweg, heutige Heinrich-Heine-Straße.

Zeittafel 

Schöe Aussicht mit Terrassengärten,       Lustschloss des Prinzen Maximian an der Hofbleiche, Affenallee

1568: Errichtung eines "Lusthauses" auf der Spitze der Fuldainsel der Voraue.
1710:  Fertigstellung der Orangerie, die Landgraf Karl nach dem Vorbild des 
           Lustschlosses des Sonnenkönigs,Ludwig des XIV., in Marly-Le-Roy in 
           Frankreich.       
1727: An der Nordwestseite des Küchengrabens wird eine Menagerie angelegt, die  auch nach dem Siebenjährigen
           Krieg weiter bestand und wo man wieder exotische Tiere bewundern konnte. Ein Elefant war jahrelang die
           Attraktion, bis er nach einer Veranstaltung  auf dem Wege in seine Unterkunft den Auehang hinabstürzte und 
           verendete. Der Elefant wurde berühmt, da Goethe das Skelett betrachtend den  Zwischenkieferknochen     
          entdeckte. Heute steht das Skelett im Naturkundemuseum.
          Entlang des linken Ufers der damals noch breiten Kleinen Fulda führte eine Kastanienallee  unmittelbar zu dieser
          Menagerie hin und endete in einem  Rundplatz, an dem die Affenhäuser  aufgestellt waren. Zu ihnen führte diese
          schöne.von stattlichen Kastanienbäumen eingefaßte Weg, der den Namen  "Affenallee" führte.
1728: Fertigstellung des Marmorbades
1740: Einen festlichen Höhepunkt erlebte die Karlsaue am 13. Juni als der spätere Kurfürst Friedrich II. seine                
           Verlobung mit der Prinzessin Marie von  Großbritanien feierte. Die gesamt Karlsaue wurde festlich beleuchtet und
           auf der Insel  "Siebenbergen" brannte ein großes Pechfeuer. Eine festliche Tafel wurde in den Säulen der
           Orangerie aufgebaut. Dieses Fest war gleichzeitig  Ausdruck einer gesteigerten  Hofhaltung und
           verschwenderischen Lebensweise Friedrich II.
1710: Terrassenanlagen des Prinzen Georgs (Rosengarten), ab 1922 Gefallenen- Gedenkstätte
1718: Lustschloß des Prinzen Maximilian an der Hofbleiche errichtet.
1730: Pförtnerhäuser werden an den 4 Eingängen um 1730 und 1766 erbaut. 
1760: Abdämmung der "Kleinen Fulda"
1764: Die Menagerie wird  erweitert und bis 1785 genutzt. Im Winter wurden die Tiere im "Lustschloß Maximilian"
           untergebracht.
1764: Die "Herrschaftliche Meierei" (Domäne) wird vom linken großen Fuldaufer an die Frankfurter Landstaße verlegt.
1765: Im Siebenjährigen Krieg wurde die Aue stark verwüstet. Nach dem Krieg fanden in der Karlsaue zwei größere
           Messen statt. Die Organgerie wurde zum  Mittelpunkt der Messen des Landgrafen Wilhelm IX.
1803: Aus Anlaß der endlich ereichten Kurwürde des Landgrafen Wilhelm IX. erlebte die Orangerie einen großen
           Maskenball. Die Kurwürde brachte nichts mehr ein.
1807: Am 7. Juli setzte Napoleon seinen jüngsten Bruder, Jeromes, als König von  Westfalen ein. Kassel wurde
           Jeromes Residenz.
18o8: Am 1. Januar strömten 275 Deputierte aus allen Teilen des neuen Königreichs   Westfalen in die Orangerie in
           Kassel zusammen, um in Ehrfurcht vor der  Büste Napoleons den Schwur auf die Konstitution abzulegen.
1814: Die siegreichen Truppen, die "freiwilligen Jäger zu Fuß"   wurden feierlich in der Orangerie  am 6.Juli
           verabschiedet.
1825: Das Lustschloß des Prinzen Maximilian wird jetzt als Hofwäscherei genutzt,  der Garten wurde Hofbleiche und
           hat diese Bezeichnung bis heute behalten.
1870: "Allgemeine Industrieausstellung" auf der Voraue.  Orangerie und Voraue werden Ausstellungsorte großer
           Gewerbe,-  Gartenbau,- Industrie  und Kunstausstellungen, die bis heute Tradition  haben.

Seit 1870 Ausstellungen in der Voraue, hinter der Orangerie, Truppenparade, 1887 Blick vom Weinberg

Die Südstadt wird Kasernenstandort

Mit der preußischen Herrschaft ab 1866 wurde Kassel und die preußische Provinz Hessen - Kassel zu einem wichtigen Standort der preußischen Verwaltung und des preußischen Militärs. Die nun einsetzende bauliche Entwicklung wird geprägt durch den Kasernenbau und Bau von Wohnungen für Militär- und Verwaltungsbediensteten. Mit dem Bau der Husarenkaserne und des Standortlazaretts (1889) begann das öffentliche Interesse für die Bebauung in der Frankfurter Straße. Die geschlossene Bebauung der Frankfurter Straße wurde fortgeführt, die Häuser des Spar- und Bauvereins an der Heinrich-Heine-Straße wurden gebaut und das sogenante "Beamtenviertel"  zwischen der noch bestehender "Herrschaftlichen Meierei" und der Hofbleiche bis zur Jahrhundertwende fertiggestellt. Die Kunstakademie (1909) an der Menzelstraße und die "167er" Kaserne konnte 1907, Frankfurter-Straße/Ecke Ludwig-Mond-Straße, fertig gestellt werden. Dann folgt der Bau der Friedrich-Wöhler-Schule (1912) am Philosophenweg und der "Jägerkaserne" (1913). Gleichzeitig werden die Wohn- und Geschäftshäuser entlag der Frankfurter Straße bis 1910 errichtet.


Das Standortlazarett wurde zwischen der heutigen Rembrandtstraße und der Rubensstraße 1888 errichtet. Das Foto zeigt den Wirtschaftshof mit den Lazarettgebäuden und oben das Pförtnerhaus, das auch heute noch erhalten ist (Heckersstraße 24). Die Husarenkaserne vor dem I. Weltkrieg, Frankfurter Straße 84. Mit den Kasernen kamen auch die Gaststätten in die Frankfurter Straße. rechts die Gaststätte Südend seit 1887, heute San Marino.


Das "Beamtenviertel"

1880 wurde das neue Regierungsgebäude fertig gestellt und auch 1903 das "königliche Hoftheather" , so daß das Frankfurter Tor Viertel bevorzugte Wohngegend wurde, nicht zuletzt wollten auch die Offiziere, die in der Husarenkaserne und Standortlazarett ihren
Dienst taten gut wohnen, zumals sie meistens nach Beendigung ihrer aktiven Zeit als
Staatsbedienste bei den Behörden in Kassel übernommen wurden. So kann man nachvollziehen, daß die Beamten, gern ihre Mittagspause, die damals noch 2 Stunden dauerte, dazu nutzen, schnell nach über die sogenannte "Beamtenlaufbahn" den Weinberg hinunter zu gehen , um zu Hause zu essen. Im Jahre 1904 wohnten allein in der "Unteren Albrechtstraße" , heutige Heckerstraße, fünf höhere Offziere; und in der 6 Hausnummern langen Johannesstraße lebte 1905 ein Sproß des Waldeckischen  Hauses, seines Zeichens Oberleutnant und  nebenan sein Kamerad von Anderten, ebenfalls Oberleutnant. Kunstakademie und "von Hartungsche Militär-Vorbildungsanstalt", das neue 1909 erbaute Rathaus und die Lage zum nahen Park bestimmten nachdrücklich die Sozialstruktur.


Frankfurter Straße zwischen Mozartstraße und Auestadion 1909.

Die Entwicklung des Frankfurter Tor Viertels nach dem I. Weltkrieg

In den 2oer Jahren gab es entscheidende Veränderungen, die eine weitere bauliche Entwicklung möglich machten. Bis 1927 wurden der Auedamm angelegt, die Frankfurter Straße am Weinberg verbreitert, das Frankfurter Tor mit einem zweiten Torbogen versehen und die Drusel in Röhren verlegt, so daß jetzt auch die neue Tischbeinstraße angelegt und bebaut werden konnte. Auch in Richtung Auefeld wurden neue Bauplätze erschlossen. Zwischen Menzel- und Akademiestraße wurden von 1924 bis 1927  eine große Wohnanlage gebaut. Es entstanden 12 Häuser mit 86 Drei - bis Fünfzimmerwohnungen. Besonders zu beachten ist in der Akademiestraße der große Schmuckhof", der für das neue Denken im Wohnungsbau bezeichnend ist. Weitere kleinere Baugruppen entstanden an der Mozart- und Menzelstraße. Wohnungsbaugesellschaften waren es, die sozialdemokratische Wohnungspolitik nach dem I. Weltkrieg umsetzten. Durch die Errichtung des neuen Auedamms konnten  viele Rudervereine ihre Vereinshäuser sicherer bauen und ihre Gelände besser nutzen. 1923 wurde das neue Flußschwimmbad von Oberbürgermeister Philipp Scheidemann eingeweiht. Zuvor badeten an dieser Stelle bei dem Kasseler Original "Schwimmi-Gerhard" Schülerinnen und Schüler aller Kasseler Schulen. Betriebsleiter des neuen städtischen Flußbades wurde ein Nachfahre der legendären Familie Collet, Jean Collet.  Schon 1829 gab es eine Flußbadeanstalt an der Fulda, die zuerst von Jerome Francois Labasse ins Leben gerufen wurde und nur mit einer ins Wasser führenden Treppe und einem Sprungbrett ausgestattet war.  Der Badebetrieb florierte, als  J. B. Collet 1839 das Unternehmen erwarb. Der Geschäftsmann, der ein Hutgeschäft am Altmarkt führte, baute jetzt die Badeanstalt aus und errichtete eine Holzhalle mit einer Waschgelegenheit, allerdings nur für Personen männlichen Geschlechts, so die Auflagen der Behörden.
Hier wurde die Genehmigung zur Schwimmausbildung für die höheren Kasseler Schulen erteilt. Von nun an wurden ihm jährlich eine größere Anzahl Schüler zugewiesen, die "biem ahlen Collet" das Schwimmen lernten. Drei Generationen hintereinander leiteten Collets den Badebetrieb, Jean Baptiste, dessen Sohn Georg und ab 1871 der Enkel, der ebenfalls Jean Babtiste hieß und den Badebetrieb nach modernen Erfordernissen gestaltete. 1892 erwarb August Gerhardt von der Witwe Collet die Badeanstalt und führte den Betrieb bis zu seinem Tode 1934. Bevor das städtische Flußbad fertiggestellt wurde, lernten bei "Schwimmi" Gerhard Generationen von Schülerinnen und Schüler der städtischen Schulen schwimmen.



Spar-und Bauverein: Heinrich-Heine-Straße - Flußschwimmbad 1923 und Kurhessenplatz in den 1930er Jahren

Staatliche Wohnungsförderung forcieren die Bebauung des Frankfurter-Tor-Viertels

Um 1900 gab es Wohnungsförderung für die Soldaten und Beamten im Viertel, die in den Jugendstilhäusern zwischen Landau-, Menzelstraße und Frankfurter Straße wohnten. Vor dem I. Weltkrieg kamen noch Wohnungen für die Professoren der Kunsthochschule hinzu und viele Beamte, die in der Stadt, arbeiteten zog es ins Südviertel, ebenso Schauspieler und Sänger.

Erste Wohnungsbaugenossenschaften im Frankfurter-Tor-Viertel

Der "Spar- und Bauverein 1894" In der Wittich-Straße entstanden bis 1899 Mietwohnungen für die Genossenschaftsmitglieder,  sonst herrschte die Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern in der Frankfurter Straße vor. Einzelstehende Privathäuser waren selten und im Auefeld zu finden. Von 1924 bis 1927 bauten die Vereinigten Wohnstätten 1889 eG in der Menzel- und Akademiestraße 12 Wohnhäuser mit 86 Drei- bis Fünfzimmerwohnungen.
Eigentumsförderung erst beim Bau der Auefeld-Siedlung
Beim Bau der Gartenstadt Auefeld wurde wert darauf gelegt, daß sowohl der Mietwohnungsbau zwischen Rembrand- und Rubenstraße, Hans-Böckler- und Ludwig - Mond - Straße, als auch Eigenheimbebauung zwischen Eberhardt-Wildermuth- und Hans-Böckler-Straße gewährleistet wurde.


Frankfurter- Tor- Viertel 1928 zwischen Weinberg und Auefeld, Karlsaue und Wehlheiden. Das Auefeld ist noch nicht bebaut. Oben in der Bildmitte Husarenkaserne und Standortlazarett, unten die Kunstakademie und Hofbleiche. Rechts Kreuzung Ludwig-Mond-Straße mit Infanteriekaserne, unten Stadtgärtnerei daneben das Aufmarschgelände für die Reichskriegertage, heute Auestadion. Das Auefeld wird in den 1950er Jahren bebaut.

Zusammenfassung: Kleine Geschichte Kassel Südstadt

Die Stadterweiterung nach Süden begann 1570 mit der Erweiterung der Voraue zur Moritzaue und um 1700 zur Karlsaue, (Lusthaus auf der Voraue, 1604 Erweiterung zur Moritzaue, Landgraf Karl gestaltete die Karlsaue (1670-1733)), wobei Wiesen (die Giese) und Felder von Zwehrener Bauern aufgekauft oder getauscht wurden. 1274 gab es schon unterhalb des Weinbergs das Winzerdörfchen „Weingarten“, das auch Weideflächen besaß. 1718 wurde das Lustschloss des Prinzen Maximilian an der Frankfurter Straße unterhalb des Weinberges gebaut (spätere Hofwäscherei 1825, deshalb wird das Gebiet bis heute Hofbleiche genannt.) und in der Frankfurter Straße 107  gab es die Gaststätte „Zum letzten Heller“ und zwei Gaststätten unterhalb des Weinberges, die auch als Ausfluglokale beliebt waren.1764 wurde die Herrschaftliche Domäne von der Voraue an die Frankfurter Straße 71 verlegt, ansonsten gab es landwirtschaftliche Flächen und Gärtnereien. 1863 kam die Eisenmöbelfabrik Schmidt & Keerl an die Frankfurter Straße/Tischbeinstraße.

Philosophenweg vor 1926, anschließend wurde die Kleine Fulda in Rohre gelegt und die Tischbeinstraße entstand als Verbindung nach Wehlheiden. Das Foto um 1900 zeigt die Hangbebauung.

Entlang der Kleinen Fulda entstand die erste Wohnstraße, der Philosophenweg, der zügig bebaut wurde. Mit dem Bau der Husarenkaserne und des Standortlazaretts (1887-1889) begann auch für die Südstadt, die damals Frankfurter-Tor-Viertel genannt wurde (Frankfurter Tor stand bis 1884 an der Friedrichsstraße auf dem Weinberg), die Gründerzeit. Jetzt kamen weitere Gastwirte in die Frankfurter Straße: das „Tivoli“, „Zum Auekrug“, „Ködding“ (Nachfolger „Zum letzten Heller“), das „Südend“ und „Zum Krokodil“. Sie waren sozialer Mittelpunkt für Veranstaltungen der zahlreichen Vereine, gaben den Soldaten Heimatersatz und den Sportlern einen Treffpunkt. Sport wurde seit 1889 in der Südstadt getrieben, der „Sportplatz Kassel“ wurde auf der Hofbleiche errichtet. Durch die Kasernen wurde auch der Wohnungsbau angeregt und es entstand östlich der Frankfurter Straße das „Beamtenviertel“, zwischen der Domäne und der Hofbleiche, gleichzeitig wurde die geschlossene fortlaufende Wohn-und Geschäftshausbebauung an der Frankfurter Straße fortgeführt. Viele Einzelhandelsgeschäfte wurden eröffnet und durch die Schlauchfabrik Berghöfer und der Wagonfabrik Crede in Niederzwehren kamen viele Arbeiter in das neue Viertel, die hier Wohnraum nachfragten.1899 konnte der Spar-und Bauverein ihre Häuser in der Heinrich-Heine-Straße 13 bis 17 mit Hinterhäusern fertig stellen und dort Arbeiter billigen Wohnraum gewährleisten. Eine Besonderheit nimmt die Riecksche Villa (1886), sogennanter Baustil des  „Eklektizismus“, in der Heckerstraße 32 ein. Damals alleinstehend auf weiter Flur, heute eingebunden in die laufende Bebauung, konnte sie 1887 den weiten Blick auf den Weinberg und in die Karlsaue beherrschen (siehe Foto unter ab 1870, Blick vom Weinberg).


Bis 1910 war die Frankfurter Straße bebaut und das Frankfurter Tor Viertel eine bevorzugte Wohngegend. Schon damals lebten hier viele Bedienstete der Verwaltungen (Rathaus, Regierungspräsidium, Gerichte), die mittags nach Hause gingen, deshalb hieß der Fußweg zum Weinberg hinauf „Beamtenlaufbahn“. Der Bau der Infanterie-  und Jägerkaserne (1907 und 1912) in der Frankfurter- Straße und Bosestraße belebten weiterhin das Viertel und sorgte für Hotel- und Gaststättenbetriebe, Wäschereien und Schneidereien und andere Zulieferbetriebe für die Kasernen und Soldaten. Nicht nur Kasernen wurden gebaut, sondern auch die Kunstakademie (1908) in der Menzelstraße, Kinderkrankenhaus Park Schönfeld 1909, Bürgerschule 29 am Philosophenweg und als Mädchenschule Nr. 30 an der Tischbeinstraße (Friedrich-Wöhler-Schule) 1912.


Frankfurter Straße/Kreuzung Ludwig Monde-Straße-Gartenrestraurant, ab 1926 EV.Südstadtgemeinde

Die EV.  Südstadtgemeinde konnte ihren Gottesdienst 1926 im Saal der ehemaligen Gartengaststätte Tivoli  feiern und das Gemeindehaus in der Frankfurter Straße 78 strahlte Lebendigkeit aus.  In den 1920er Jahren erlebte die Südstadt ihre Blütezeit. Die Vereine der Arbeiterbewegung waren hier ebenso etabliert, wie Beamte, Soldaten und Geschäftsleute. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Wohnungsnot beseitigt werden, so dass die Nebenstraßen der Frankfurter Straße und der Ludwig- Mond- Straße von gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften bebaut wurden. Durch die Verrohrung der Drusel (Kleine Fulda) wurde eine bessere Verkehrsanbindung gewährleistet, die Verbreiterung der Frankfurter Straße den Weinberg hinauf und der Bau des Auedamms zählen zum Programm gegen die Massenarbeitslosigkeit. Durch die Weltwirtschaftskrise und Destabilisierung der Republik wurde auch das Leben in der Südstadt geprägt.  Schließlich wählten am 15. März 1933 im Frankfurter Tor Viertel über 62 Prozent NSDAP. „Die Hakenkreuzfahne wehte über dem "Frankfurter-Tor-Viertel“, so schreib die Presse 1933. Eine Arbeiterhochburg wurde von den Nazis erobert. 1945 ging beim letzten großen Bombenangriff auf Kassel das Frankfurter-Tor-Viertel im Bombenhagel unter. Die Südstädter konnten größtenteils im Weinbergbunker überleben, der ihnen Sicherheit bot. Das  Viertel, erst 40 Jahre alt, war vollkommen zerstört. Frankfurter Straße 108 -  Schicksal eines Hauses im 20. Jahrhundert
(Gesamtfläche  4,36 ar; Brandversicherungswert 1932 7.69 RM, Einheitswert 21.06.1948: 35.200 DM)
Bei dem Haus in der Frankfurter Straße 108 handelt es sich um ein Eckwohnhaus mit Vorbauten, Loggien, eisernen Balkons und Ziergiebel. Die Vorderfront und Ecke besteht aus rote Klinker, seitlich und hinten verputzt. So war das ursprüngliche Erscheinungsbild. Der Zuschnitt des Grundstücks und des Hauses war dadurch bedingt, dass früher von der Frankfurter Straße aus eine Straße schräg in das Auefeld geplant war. Die zwischen dem Haus und der früheren Tankstelle abzweigen sollte. Auf dem Erdgeschoss waren vier Stockwerke errichtet; im Erdgeschoss befand sich zur Ecke hin ein kleiner Laden, idem sich zumindest in den Nachkriegsjahren – evtl. schon im Krieg – das Frisörgeschäft Mörschner befand. Alle Wohnen auf einer Seite des Hauses hatten keine Toiletten; diese befanden sich vielmehr im Treppenhaus jeweils auf halber Höhe. In diesen Wohnungen befand sich dementsprechend auch kein Bad. Im Winkel zwischen Vorder- und Seitenfront war eine kleine Hoffläche, an der sich eine kleine Rasenfläche anschloss, die früher zum Wäschetrocknen benutzt wurde. Vor dem Haus befanden sich rechts und links des Hauseingangs kleine vom Bürgersteig mit den üblichen Eisenzäunen abgegrenzte Vorgärten.

Schicksal der Frankfurter Straße 108

Ein ehemaliger Eigentümer berichtet:
„ Meine Eltern suchten Anfang 1937 per Inserat eine Immobilie, u.a. um Geld meiner Mutter anzulegen. Auf dieses Inserat meldete sich auch Frl. Dina Hornthal, damals wohnhaft in der Westendstraße 7, die Eigentümerin zweiter großer Miethäuser in der Südstadt war (Frankfurter Straße 108 und Mozartstraße 2). Das Haus Frankfurter Straße 8 wurde meinen Eltern für 26.800 RM angeboten; am 19.07.1937 wurde der Kaufvertrag mit einem Kaufpreis von 36.600 RM abgeschlossen. 21.600 RM wurden bar bezahlt; in Höhe von 15.000 RM wurde eine Restkaufgeldhypothek eingetragen. Eine Zahlung auf ein Sperrkonto, wie bei der „Arisierung“ üblich, erfolgte nicht. Am 21.08.1937 wurde der Eigentumswechsel im Grundbuch eingetragen. Von unserer Seite wurde kein Druck auf Frl. Hornthal ausgeübt. Von einem „arisierten Haus“ kann man daher m.E. nicht sprechen, denn die „Arisierung“ beinhaltete die schrittweise Enteignung der Juden, was zunächst Unternehmer und Gewerbetreibende betraf. Der private Grundbesitz blieb zunächst noch weitgehend verschont. Erst ab 1939 gerieten diese Grundbesitzer massiv unter Druck. Dementsprechend war Dina Hornthal auch noch 1938 Eigentümerin des Hauses Mozartstraße 2, so im Adressbuch von 1938 festgehalten. Ihre Anschrift war immer noch Westensstraße 7. Das Namensverzeichnis dieses Adressbuches enthält neben der Korrespondentin Dina Hornthal noch fünft weitere Personen namens Hornthal. Im Adressbuch von 1938 sind meine Eltern korrekt als Eigentümer aufgeführt. Die letzte Anschrift von Dina Hornthal ist Kölnische Straße 4. Nach dem Krieg wurde das Grundstück, da von Juden gekauft, am 15.01.1948 unter Vermögenskontrolle gestellt; die Verwaltung wurde einem Treuhänder übertragen. Die erben Dina Horthals verlangten die Rückgabe des Grundstücks nach dem Rückerstattungsgesetz, ersatzweise eine Nachzahlung von 27.000 DM. Da mein Vater schon im März 1946 gestorben war, war dies ein schwerer Schlag für meine Mutter. Nach langen Verhandlungen wurde am 01.02.1951 ein Vergleich über eine Nachzahlung von  18.000 DM abgeschlossen, der aber widerrufen wurde. Nach weiteren Verhandlungen wurde am 07.08. 1951 ein neuer Vergleich mit einer Vergleichssumme von 16.000 DM abgeschlossen, der auch rechtswirksam wurde. Die Vergleichssumme wurde in drei Raten bis zum 30.06 1052 beglichen. Die Freigabe aus der Vermögenskontrolle erfolgte am 31.07. 1952.
Die Zahlung von 16.000 DM an die Erbengemeinschaft Dina Hornthal fiel unter das Reparationsschädengesetz. Durch Bescheid des Ausgleichsamts der Stadt Kassel vom 18.03.1980 wurde festgestellt, dass die Zahlung zur Abwendung der Rückerstattung einen Schaden im Sinne des § 7 RepG darstellt. Unter Abzug einer gesetzlichen Pauschale von 10% wurde ein Schadensbetrag von 14.400 DM festgestellt, der nunmehr den Erben der damaligen Käufer  zugesprochen wurde.
Das Grundstück wurde am 2.7.1965 zum Preis von 191.500 DM verkauft, da erheblicher Modernisierungsbedarf bestand, den wir nicht tragen konnten. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Grundstücksgröße nur noch 3,95 ar, weil Grundstücksteile sowohl an die Stadt Kassel als auch an den „Hinterlieger“ Seebach verkauft worden waren. Die neuen Eigentümer des Hauses wurden am 24.12.1965 im Grundbuch eingetragen.


Aufzeichnungen der neuen Eigentümer/ehemalige Mieter 1988

Das Grundstück, auf dem der vierstöckige, ziegelrote und mit Stuckornamenten verzierte Klinkerbau errichtet wurde, ist 1907 vom Tierarzt Jakob Hornthal erworben worden. 1920 wird das Haus seiner Witwe Therese überschrieben, um bereits 1926 der Tochter Paula zuzufallen. Ihr folgt der Rechtsanwalt Arthur Hornthal in Berlin und 1936 Fräulein Dina Hornthal. Dann verliert sich die Spur der Horthals und im heutigen Kasseler Telefonbuch existiert eine Familie oder Person dieses Namens nicht mehr. In der nüchternen Notiz des rekonstruierten Grundbuchs von 1948  tritt schon ein Jahr später der Regierungsinspektor August W. die Nachfolge an. Diese Eigentümerei währt zunächst bis zum 20. Oktober 1948. Dann offenbart der Grundbucheintrag eine bürgerliche Tragödie, wie sie an hunderttausend anderen Orten in Deutschland und Europa stattgefunden haben muss. Noch einmal taucht der Name Hornthal in diesem Zusammenhang auf, allerdings nur der Name. Dina Hornthal ist tot, vermutlich ermordet. Jedenfalls wäre dieses der Normalfall. Als Testamentvollstrecker ihrer Erben treten Rechtsanwälte aus Hannover auf, und es sieht so aus, als würden die neuen Besitzer von iher arischen Gemeinheit noch eingeholt, denn ihr Eigentum wird „gesperrt gemäß Mil. Reg. Ges. 52 I  2. als ehemals jüdisches Vermögen. Auf Grund des Ersuchens des Amtes für Wiedergutmachung vom 14.6.1948, eingetragen am 20. Oktober 1948.“
1949 wird Dina Hornthal posthum offenbar wieder Besitzerin des Hauses, denn „für die Zeit vom 30.Januar 1933 ab sind (unter Hinweis auf § 44 Absatz 4 der Grundbuchverfügung vom 8.8.1933 JMBL S. 637) auch die inzwischen etwa wieder gelöschten Rechte und Eintragungen in vollem Wortlaut im Grundbuchauszug mit aufzunehmen...“ Gegen diese geschaffenen Fakten können die Hornthals, die Tote ohnehin, nicht mehr an. Die neuen Eigentümer sind Partei geworden, ob schuldig oder nicht und sind präsent in Kassel, die Hornthals nicht mehr. Vor Gericht muss sich die Tote bzw. ihre Erben mit den Trägern – und dazu gehören auch sog. „Mitläufer“ – jener Ordnung vergleichen, die sie bzw. ihresgleichen umbringen ließen. Die damaligen Käufer bleiben Eigentümer, bekommen aber eine Entschädigungsschuld von 18.000 DM als Sicherungshypothek ins Grundbuch eingetragen, zahlbar in drei halbjährlichen Raten ab 30.6.1951, ab Januar 1952 mit 4 % verzinst. Alles hat seinen Preis. Der Käufer stirbt 1946. Die Erben können oder wollen diese Summe nicht aufbringen, so dass die Rechtsanwälte 1953 noch einmal nachsetzen. Die Erben veräußern schließlich das Haus 1968 an den Kontrollangestellten Herrn Georg L. und dessen Ehefrau Katharina“ für knapp 200.000 DM. Diese lassen Anfang der 1970er Jahre das Haus in Eigentumswohnungen umwandeln und bieten den Laden und die Wohnungen den Mietern zum Kauf an, summa summarum für mehr als das Doppelte, also immer noch billig für Eigentumswohnungen, die allerdings im unrenoviertem Zustand sind. Nicht jeder will oder kann das mitgehen und so beginnt ein neues Kapitel für das Haus Frankfurter Straße 108. Wieder müssen Menschen das Haus verlassen. Diesmal sorgt die Freiheit des Marktes dafür. Große, stadtnah gelegene Wohnungen sind begehrt, auch in der Frankfurter Straße in den 1970er Jahren.


Konfirmation 1939 im Tivoli-Saal                             Kinder 1917:  Frankfurter Straße 74-78

Der Krieg zerstört die soziale Struktur

Der Krieg veränderte das soziale Bild des Stadtteils Süd, wie es jetzt genannt wurde. Der Umfang der Zerstörung ist auch heute noch zu erkennen. 6000 Menschen verloren ihre Wohnungen. Nach der Volkszählung 1939 gab es in der Südstadt 9.033 Einwohner, am 29.19.1946 waren es nur noch 3 300, 1956 stieg die Zahl auf 6 443, um 1963 einen Höchststand von 10 905 Einwohnern zu erreichen. In der Nachkriegszeit schaffte es der Sport in der Frankfurter Straße, wie Phönix aus der Asche, empor zu steigen. Der Nachfolgeverein des siegreichen SV Kurhessen 1893 e.V., der KSV Hessen Kassel, schaffte eine Sensation und stieg in die Oberliga auf.


Sportzentrum in der Südstadt seit 1889, zuerst an der Hofbleiche, anschließend auf dem Kurhessenplatz, hinter dem heutigen Auestadion und auf der Hessenkampfbahn (Voraue) sowie am Auedamm mit Schwimmstadion und den zahlreichen wasseersporttreibenden Vereinen.

 In der Südstadt hatte der Fußballsport eine Heimat und  durch den Bau des Auestadions 1953 wurde der KSV ein Verein der Region. Ebenso wie die vielen Wassersport treibenden Vereinen am Auedamm mit dem Schwimmstadion, dass 1923 eingeweiht wurde. Das Tanz-und Keglerzentrum an der Damaschkestraße gehört ebenso zur Südstadt wie die Eissporthalle mit den „Huskies“. Seit 1931 wird auch an der Hofbleiche Tennis gespielt und der TC 31 hat seine Anlage heute in der Menzelstraße. Der Wiederaufbau der zerstörten Häuser nahm über zehn Jahre in Anspruch. Es war abzusehen, dass die vielen Flüchtlinge, Umsiedler und aus der Evakuierung zurückkehrende Kasseler nur durch Neubaumaßnahmen Wohnraum bekommen konnten. So entstand die Auefeldsiedlung 1953 mit Kirche, Schule und Altenheim und die Mietwohnungen in der Rembrandt-, Frans-Hals-und Rubensstraße  auf dem Gebiet des ehemaligen Standortlazaretts und auf dem Gelände der Husarenkaserne steht heute das „Versorgungsamt“. In der Tischbeinstraße 71 wurde 1962 die St. Michaelis-Kirche errichtet  und die Kunsthochschule, Kinderkrankenhaus und Johanneskirche wieder erbaut.

1920: Frankfurter Straße 59, vorn.                                                   Frankfurter Straße 77, 1920

 Die Zerstörung und der Wiederaufbau veränderten das Stadtbild – nichts war mehr so wie im Frankfurter-Tor-Viertel. Jetzt wurde das Viertel Kassel Süd genannt. Mit dem Gewerbe- und Behördenzentrum Süd an der Raiffeisen- und Knorrstraße, dem Hotel „La Strada“, dem Bau der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung, dem „Versorgungsamt“ und dem Pressehaus am Park in der Frankfurter Straße werden viele Arbeitsplätze in der heutigen Südstadt (2000) geschaffen, nicht zu vergessen die vielen Einzelhandelsbetriebe, die teilweise schon seit Generationen in der Frankfurter Straße beheimatet sind. Die Damaschkebrücke komplettierte mit der Südtangente die gute Anbindung an den Kasseler Osten und Süden. Heute ist die Südstadt eine erste Adresse in Kassel als Wohngebiet mit kurzen Wegen zur Stadt, Sport- und Freizeitangeboten und mit Park Schönfeld und der Karlsaue. Es leben 7.400 Menschen zwischen Wehlheiden und Karlsaue, Weinberg  und  Niederzwehren.


Das Überleben war im Weinbergbunker möglich!      Die Frankfurter Straße nach dem Wiederaufbau!

6500  Zeilen, Text Heinz Körner, Autor, aktuelle Bücher bei ihm erhältlich, Tel:KS 493001.

Fotos ;Archiv und Postkartensammlung Witzel,
Heinz Körner, 1988, Die Südstadt, Wartbergverl
ag, vergriffen
Heinz Körner, Kassels Südstadt, 1991,  Meister Druck, vergriffen
Heinz Körner, Kassel Südstadt, 2005, Verlag Südstadtbuch, im Buchhandel
Heinz Körner, 2007, Stadttteil Auefeld, Heinz Körner Südstadtbuch-Verlag
isbn  3-00-014623-7




Blick vom Sepulkralkulturmuseum - SPD-Kassel Südstadt 2005:Heinz Körner, Frank Kistner,
Grazina Macikiene, Gast aus Litauen, Harald Doenst,Ortsvorsteher und Uwe Fricke.Vorsitzender bis 2008.

Die Südstadt – Skulpturen – Denkmale – Besonderheiten (außer Karlsaue)

Bedeutung des Ehrenmals


Eine Gruppe interssierter Bürger setzten sich für die Wiederherstellung der Anlageein, wie sie bei der Ersteinweihung 1928, bzw. 1955 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Als Anregung sind besprochen worden

  • zwei Stileichen sollen auf jeder Ebene nach historischem Vorbild

gepflanzt werden.

- Die Öffentlichkeit soll hergestellt und ausgebaut werden.

Die Öffentlichkeit werde sich aber schon allein daraus ergeben, dass die Anlage dann neu sei und die Gustav-Mahler-Treppe im Zuge ihrer Sanierung gesperrt werde; wer dann von der Bellevue/Stadt Kassel zur Karlsaue gelangen wolle, müsse unweigerlich durch das Ehrenmal oder direkt am Ehrenmal vorbeilaufen.

- 92 Steintafeln sollen erhalten und gereinigt werden.

- Eingangs- und Erklärungstafeln sind grundsätzlich eine gute Idee.

Die genaue Ausgestaltung werde aber nach Rücksprache und in Absprache mit dem Land Hessen (Staatskanzlei) erfolgen, da man ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild bei ähnlichen Anlagen in ganz Hessen erreichen möchte. Die Tafeln sollen außerdem so gestaltet werden, dass sie das Ensemble nicht stören. Welche Form dazu die geeignetste sei, müsse noch festgestellt werden, „aber sicher keine einfache Plastiktafel.


Die MHK bewertet die Dokumentation der Anlage als äußerst wichtig und absolute Priorität, um als Teil der Dokumentation eine Buch zu erstellen, das auch für einen eventuellen friedenspädagogischen Lernort verwendet werden kann.

Die MHK lobt ausdrücklich das Engagement und das Wissen der Arbeitsgruppe

und möchte das Wissen der Arbeitsgruppe unbedingt konservieren und darauf zugreifen, sodass unbedingt zur Anfertigung einer Begleitpublikation geraten wird.

Diese solle dann auch unbedingt veröffentlicht werden. Gelder für die Veröffentlichung ließen sich beim Kulturamt der Stadt Kassel für solche Projekte beantragen. Die MHK könne aber unter Umständen auch finanzielle Unterstützung leisten. Die Dokumentation ist für die MHK Zeichen des bürgerschaftlichen Engagements.


Die Skulptur „Der Gefallene“ steht im Mittelpunkt des Ehrenmals und wird mit dem Künstler Hans Sautter eingehend gewürdigt. Die Einweihung des Denkmals 1928 wird ausführlich behandelt. Die Entstehungsgeschichte der Anlage gehört ebenso dazu wie die Erklärung zu den Inschriften der Steintafeln, die viel über die Einsatzorte, Anzahl der Gefallenen und Ziele der Einheiten aussagen.

Man müsse den Menschen sagen „Die Einheiten – sind auch Eure Väter und Großväter“

In der Anfangsphase, also direkt nach der Eröffnung des dann sanierten Ehrenmales, soll der Sicherheitsdienst der MHK die Anlage in kürzerer Frequenz bestreifen.

Friedenpädagogischer Lernort:

Die Anlage ist für ein friedenspädagogischer Lernort sehr gut geeignet,

Begleitmaterial steht zur Verfügung.


Die einzelnen Kapitel des Buches beschäftigen sich mit dem „Gesicht des Krieges“, Krieg in der Stadt, Massenvernichtungswaffen zeigen die Technisierung, Industriealisierung und das Massensterben an und behandeln auch den Gaskrieg und den Stellungskampf wie in Verdun oder im Zweiten Weltkrieg brutal in Stalingrad, wo die Vernichtung der 29. Artillerie und 15. Infanterie sowie der Weg in die Gefangenschaft eine große Rolle spielt. Beispiel Kriegsverbrechen. Es werden Fragen aufgeworfen: Was erlebt der Mensch im Krieg und welchen Zwängen ist er ausgesetzt. Es werden auch die Folgen von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung dargestellt, um das Gedenken an verstorbenen Soldaten in einem größeren Zusammenhang betrachten zu können.

Die Pflicht zur Landwehr Wehrpflicht,Territorialheer,Landesverteidigung und die Teilnahme an Feldzügen (Feldheer, Freiwillienarmee und Berufsheer wird verständlich. Militär muss als Struktur verstanden werden,in dem ein System der strukturellen Gewalt wirksam ist, dem sich der Soldat nicht leicht entziehen kann.


Über 100 Jahre Ende Erster WELTKRIEG

Zum Jahrestag,100 Jahre Kriegsende des Ersten Weltkrieges am 11.11. 1918, wurde an die Millionen Opfer gedacht, die dieser industriealisierte Krieg mit sich brachte. Als die nordhessischen Regimenter wieder nach Kassel heimkehrten, fanden sie eine veränderte politische Situation vor, das Kaiserreich gab es nicht mehr. Der Arbeiter- und Soldatenrat hatte Ruhe und Ordnung sicherzustellen.

Viele Familien beklagten den Verlust ihrer Männer und Söhne und mussten in dieser schweren Zeit das Überleben sicherstellen, dazu kam die Versorgung der Kriegsversehrten. Das Elend war auf den Straßen sichtbar. Die Stadtverordnetenversammlung beschoss 1919 eine“Kriegergedächnisstätte zu bauen. Am Auehang wurde sie gebaut und 1928 eingeweiht. Nun konnten die Hinterbliebenen an diesem Ort ihre Trauer zum Ausdruck bringen.

Die Teilnehmer des Ersten Weltkrieges erfüllte eine große Sehnsucht nach Frieden und es erwachte die Pflicht und Aufgabe einen nächsten Krieg zu verhindern. Es geht nicht um die Ehre, Heimat, Vaterland, Treue und Opferbereitschaft, sondern um die Schrecken des Krieges, besonders den jungen Menschen klarzumachen.

Das Beispiel von Wilhelm Witte, Frankfurter Straße 46, der sich im August 1914 freiwillig zu den „167er“ meldete, weil bei der Luftwaffe eine längere Wartezeit bestand und er annahm, dass es dringend sei, sofort eingezogen zu werden, um den Krieg nicht zu verpassen.

Die Erziehung in der Schule und der Propaganda in den Medien zeigte Wirkung. Am 5. November 1914 wurde nach Flandern ausgerückt. 14 Tage später ist er mit 18 Jahren gefallen.

Der vorherrschende Nationalismus und Militarismus, die Erziehung in den Schulen und in der natinalen, völkischen Presse verführte diese jungen Menschen zum freiwilligen Diensteintritt. Die Begriffe Ehre, Heldentum, Vaterland, Treue propagiert und gingen in Stalingrad verloren, was blieb ist die Kameradschaft im Elend.

Wir dürfen nicht den Krieg und seine Ziele verherrlichen, sonden im Mittelpunkt stehen die Soldaten, denn der verursachte Zivilisationsbruch war unermesslich und die zivilen und militärischen Opferzahlen noch höher. An der Front war die Gewalt schon vorhanden, sie musste nicht erlernt werden.

Im Ersten Weltkrieg stehen Flandern und Verdun sowie die Schlachten an der Marne und Somme für unermeessliche Leiden und Qualen, im Zweiten Weltkrieg Stalingrad. Stalingrad wird ein Kapitel beanspruchen, um die obengenannten Begriffe zu belegen und die Sinnlosigkeit des Krieges zu verdeutlichen.

Welche Ziele gab es? Eroberung, Ausbeutung, Unterwerfung, Kolonialisierung. Das Ehrenmal sollte die Erinnerung an die Kriegstoten beider Weltkriege wachhalten und am 11. November, Tag des Waffenstillstandes 1918, als Gedenktag eingeführt werden. Der Volkstrauertag ist ein nationaler Gedenktag und bezieht auch die zivilen Opfer mit ein.


Klar hervorgehoben werden auch die Unterschiede beider Weltkriege, die in ihrer Struktur lagen, vor allem in dem Ausmass der Rassenideologie, Völkermord durch die nationalsozialisitsche Gewaltherrschaft. Kriegsverbrechen auf deutscher Seite gab es auch im Ersten Weltkrieg, das zeigen die Greultaten in Lüttich und Löwen .

Ziel musss sein, den pazifistischen Gedanken Hans Sautters Werk Künstler des „Der Gefallene“in den Mittelpunkt der Diskussion und bei Begehung des „Ehrenmals“ zu stellen. Wir ehren die Gefallenen nicht, sondern wir gedenken ihrer und sollten das auch bei Begehungen der Gedenkstätte zum Ausdruck bringen. Über 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges stellt sich die Frage, ob man die Erinnerungstafeln dem „kontrollierten Verfall“ aussetzten sollte, denn die Wiederherstellung zerstört die Authensität des Denkmals. Das Ehrenmal als einem authentischen Lernort auszuweisen scheint angemessen und so wird der Ort für zukünftige Generationen erlebbar.

Der Besucher des Denkmals soll die Schrecken des Krieges kennen und Friedesgedanken vermittelt bekommen, das wird besonders in dem Kapitel der „Versehrten“ dargestellt. Das Leben im Schützengraben in Wasser und Schlamm mit Ratten und Läusen. Und vor dem Graben liegen Leichen über Leichen, Verwundete, die nicht versorgt werden konnten. Ein Junge schrie dauernd nach seiner Mama bei dem tagelangen Dauerbeschuss (nicht nur bei der deutschen Armee).

Die Schlacht glich einer Fabrik, eine Technisierung und Idustriealisierung des Krieges und die Soldaen wurden zur Schlachtbank geführt. Der Giftgaseinsatz macht die Menschenverachtung des Krieges deutlich.“ „Soldaten haben die Gewalt nicht erfunden, sondern an der Front vorgefunden.“

Der Kaiser: „So muss denn das Schwert entscheiden.“ Diese Vorstellung vom Krieg war weit verbreitet. Aber die Veränderung in Heereswesen und Taktik war schon vorgenommen. Die neue Kriegstechnik erprobt und die Aufrüstung, die Truppenverstärkungen, 1906 und 1908 diskutiert. 1914 überhebliche Österreicher stützten sich auf die Bündnistreue Preußens und erklärten Serbien den Krieg, was den Ersten Weltkrieg auslöste, denn die Bündnisse wurden abgerufen.

Nationalismus und Militarismus fördern die Kriegsbereitschaft

Vertreter des Bürgertums feierten die Verkündung des Kriegszustands und der militärischen Mobilmachung Anfang August 1914. Sie beriefen sich nicht auf die Armee oder den Kaiser sondern ganz auf das Volk und die Nation, ein Neuanfang nationaler Gemeinschaftsbildung begünstigt die Bildung einer politischen Kultur, in der eine Bewegung wie der Nationalsozialismus gedeihen konnte.

Nicht das abstrakte Ideal nevellierender Gleichheit, sondern die organisatorische Ordnung militärischer Kameradschaftlichkeit diente als optimal politischer Vergesellschaftung, später kam der Begriff „Volksgemeinschaft“ hinzu.

Der Nationalismus und Liberalismus beherrschten die Folgezeit bis weit ins 20. Jahrhundert. Die Fahne Schwarz-Rot-Gold kamen aus den Uniformen des Freikorpsverbandes Lützow während des Befreiungskampfes gegen Napoleon. Sie wurden zu den deutschen Farben, Einheit und Freiheit Deutschlands. Der Funke sprang nicht auf die Länder des Deutschen Bundes über. Die Lieder wie „Die Wacht am Rhein“ stehen für diesen Freiheitsdrang, den Heinrch Heine forderte sowie Feiheitsrechte und den Einheitsstaat. Freiheit und Einheit waren jetzt gegen den Obrigkeitstaat gerichtet und wurden immer wieder belebt. 16 Jahre nach der 1848er Revolution begann Preußen den Einheitsstaat zu verwirklichen.

Das Wilhelminische Bürgertum stützte die Militarisierung des öffentlichen Lebens, der zum Alltag gehörende Kommandoton, den ständigen Drill in Schulen und Hochschulen und die national-pathetischen Phrasen des Kaisers. Alles diente zur Vorbereitung des Ersten Weltkrieges.


Aber der Schwerpunkt der Krisenherde lag auf dem Balkan, die Balkankriege konnten gerade beigelegt werden, als das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo am 28. Juni 1914 erfolgte. Die Österreicher wollten den Krieg, um auch auf dem Balkan klare Verhältnisse zu schaffen. Am 29. Juli schlugen Granaten österreichischer – ungarischer Geschütze in der Serbischen Hauptstadt Belgrad ein. Es folgte die Allgemeine Mobilmachung in Wien, St. Petersburg und Berlin. Die deutsche Heeresleitung plante einen Überraschungsangriff auf Frankreich, um zu einem schnellen Sieg zu kommen. „Es gab nur dieses Zeitfenster, um siegreich zu sein und einen Zweifrontenkrieg zu vermeinden.“

Am 1. August überquerten deutsche Truppen die Grenze zu Luxemburg, drei Tage später fielen sie in Belgien ein. Für die Engländer war der Angriff auf Belgien zwingend, um Deutschland den Krieg zu erklären und Belgien zur Seite zu stehen, damit die Küste von der deutschen Armee nicht besetzt wird.

In Deutschland wurde die Mobilmachung mit großer Begeisterung auf den Straßen gefeiert und die Soldaten wurden mit Blumensträußen an den Straßen zum Bahnhof verabschiedet.


(Kriegergedächnisstätte, heute Ehrenmal)

wie zur Einweihung 1928;

- Stileichen zwei auf jeder Ebene (Säuleneichen wie 1928)

- Öffentlichkeit herstellen,

- Steintafel reinigen und erhalten

- Begleitbuch als Zeichen bürgerschaftichen Engagements

- Prof. Hans Sautter und die Skulptur „Der Gefallene“

Wiederherstellung der Anlage wie zur offiziellen Einweihung 1928 (1955) mit Stil-eichen und Wiederherstellung der Steinplatten ist gewährleistet. Es wird geprüft,ob der Brunnen und der Weg zur „Straße an der Karlsaue“ wieder gebaut werden kann.

Da bei der Beantragung der Haushaltsmittel für die Sanierung des Ehrenmals die Bedeutung der Brunnenanlage nicht bekannt gewesen sei, wurden auch die Mittel für deren Wiederherstellung nicht mit einbezogen.

Die Wiederherstellung der Anlage (Affenallee und Brunnen) würde die Wegebeziehung im Park erheblich ändern und wäre damit ein Problem für den gesamten Park, dass erst abgeschätzt werden müsse.

Eine Tendenz dahingehend kann erst frühestens nach Abschluss der Planungen für den Rosenhang, also in etwa einem Jahr, gegeben werden. (Arnold)

Die Stileichen werden nach historischem Vorbild gepflanzt.


Öffentlichkeit sei der wichtigste Faktor für die Sicherheit. (Eberle)

Die Öffentlichkeit werde sich aber schon allein daraus ergeben, dass die Anlage dann neu sei und die Gustav-Mahler-Treppe im Zuge ihrer Sanierung gesperrt werde; wer dann von der Bellevue/Stadt Kassel zur Karlsaue gelangen wolle, müsse unweigerlich durch das Ehrenmal oder direkt am Ehrenmal vorbeilaufen.


Der Name der Anlage kann nicht oktroyiert werden. (Eberle)

Der Name der Anlage „Ehrenmal“ ist in der Bevölkerung bekannt und akzeptiert.

Möglicherweise kann in entsprechenden Tafeln der Zusatz „[…] heute würden wir es eher als Gedenkstätte betrachten“. enthalten sein.

Wenn die Bevölkerung in einigen Jahren selbst einen anderen Namen wählt, dann soll es so sein. Aber kein vorgegebener, neuer Name mit Deklarationsakt

Die Steintafeln sollen in situ erhalten und gereinigt werden.

Bei der Bearbeitung der Tafeln seien aber denkmalpflegerische Richtlinien einzuhalten; d.h. nicht mehr lesbare Tafeln können nicht ersetzt werden und nicht rekonstruierbare Tafeln können nicht mit QR-Code versehen werden. Dies sei ein zu großer Eingriff in die Substanz und das Ensemble.Eingangs- und Erklärungstafeln sind grundsätzlich eine gute Idee.

Die genaue Ausgestaltung werde aber nach Rücksprache und in Absprache mit dem Land Hessen (Staatskanzlei) erfolgen, da man ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild bei ähnlichen Anlagen in ganz Hessen erreichen möchte.

Die Steintafeln sollen außerdem so gestaltet werden, dass sie das Ensemble nicht stören. Welche Form dazu die geeignetste sei, müsse noch festgestellt werden, „aber sicher keine einfache Plastiktafel“. (Eberle)


Realitätsnahe Dokumentation über das Leiden der Soldaten im Ersten Weltkrieg


Es kam mir (Heinz Körner) darauf an, dass die Kriegsrealität dargestellt und auch in den Kriegstagebüchern realitätsnah geschildert wird. Die Beschreibung auf den Steintafeln kann den Leidensweg der Soldaten wiedergeben und einen bezug zum Kasseler Kasernenstandort herstellen, so dass Erkenntnisse über die geschichtliche Entwicklung der Garnison gewonnen werden kann. Die Garnison Kassel und ihr Schicksal wird verdeutlicht. Es werden auch Einblicke über die Situation Kassels im Krieg angesprochen.

Die MHK gibt der Dokumentation absolute Priorität, denn sie besitzt einen hohen Stellenwert, der die Sanierung des historischen Denkmals unterstützt.

Auch wird der Arbeitsgruppe die Zusammenarbeit mit der museumpädagogischen Abteilung der MHK angeboten, um als Teil der Dokumentation eine Mappe/Buch/Unterlage zu erstellen, die auch für einen eventuellen friedenspädagogischen Lernort verwendet werden kann.

Die MHK lobt ausdrücklich das Engagement und das Wissen der Arbeitsgruppe (Eberle), wobei sie mit Hinblick auf den Altersdurchschnitt zu einer schnellen Umsetzung der Dokumentation anrät.

Die MHK möchte das Wissen der Arbeitsgruppe unbedingt konservieren und darauf zugreifen, sodass unbedingt zur Anfertigung einer Begleitpublikation geraten wird. (Eberle)

Diese solle dann auch unbedingt veröffentlicht werden. Gelder für die Veröffentlichung ließen sich beim Kulturamt der Stadt Kassel für solche Projekte beantragen. Die MHK könne aber unter Umständen auch finanzielle Unterstützung leisten.

Die Dokumentation ist für die MHK Zeichen des bürgerschaftlichen Engagements.

Der Gefallene“

Die MHK teilt die Ansicht der Arbeitsgruppe bezüglich der Skulptur „Der Gefallene“


Erst am 23. September 1928 erfolgte die feierliche Einweihung durch Oberbürgermeister Stadler und die Enthüllung von Sautters Bildwerk „Der Gefallene“, unter Beteiligung des Reichsbanners Schwarz-Rot.Gold, Vertretern von Politik und Behörden

Sautters Arbeit, „so Oberbürgermeister Stadler, bei der offziellen Einweihung, verdeutlicht, dass die Kriegergedächnisstätte Abschluss und Weihe durch Meister Hans Sautters ergreifendes Bildwerk des Gefallenen gefunden hat. Unsere toten Brüder, so Stadler weiter, die als deutsche Männer dem Vaterland , Pflicht und Opfer, gaben ihr Höchstes, damit Deutschland lebe,.“ So dient diese Stätte als Mahnung und Vorbild. „Gegen das Vergessen - Nie wieder Krieg.“


Soldaten – unter nationalistischer Verblendung


!914-1918 im Ersten Weltkrieg

nach dem Ersten Weltkrieg in der deutschen Revolution /AuSRat

1919-1920 in der Revolutionszeit

bei der Beseitigung der Münchener Räterepublik


18 Nov. 1919 Die Dolchstoßlüge: Generalmajor a. D. Paul von Hindenburg

(Vortragender vor dem Untersuchungsausschuss der National-

versammlung) und General Ludendorff (Verfasser).

Die nationalistische Rechte war die Weimarer Republik immer ein Schandfleck und so inszenierten ihre Gruppen politische Morde gegen die Republkianer. Jedes Jahr am 11. August rief Philipp Scheidemann zum Jahrstag der Gründung der Republik zu Demonstrationen auf. Die bekannesten Opfer waren Rosa Luxemburg unf Karl Liebknecht am 15. Januar 1919. Es folgten unter dem Denkmantel:

Tödlich verunglückt“ 184

Willkürlich erschossen“ 80

Auf der Flucht erschossen“ 30

Angeblich Standrecht 12

Im Gefängnis gelyncht 7

Bei Beschießung einer offenen

Stadt gefallen 5

--------------------------------------------------

Summe der von Rechtsstehenden 318

Ermordeten

Als Repressalie erschossen 10

Willkürlich erschossen 5

Angebliches Standrecht 1

Summe der Linksstehenden Ermordeten_______________ 16

Insgesamt kommt in den Jahren 1919 und 1920 beinahe jeden zweiten Tag ein

ungesühnter politischer Mord von rechts.

Vorausgegangen war die Behauptung vom „Dolchstoß“. Es dauerte nicht lange, dass die nationalistische Presse und Parteien diese Lüge verbreiteten, um die Republikaner zu brandmarken. Diese nicht wiederlegte Behauptung vergiftete die Atmosphäre der Republik. Sie seien der kämpfenden Truppe aus der Heimat in den Rücken gefallen.

Hindenburg:“Die Mehrheitsparteien des alten Reichstages hätten durch ihre Friedensinitiative vom Sommer 1917 den Widerstandswillen in der Heimat gebrochen. Gleichzeitig habe es in der Flotte und im Heer eine planmäßige Wühlarbeit gegeben, deshalb habe die militärische Niederlage unausweichlich ihren Lauf genommen. Der Autor hat nachgewiesen, dass die Niederlage durch die Aufnahme des Kampfes der US-Armee 1917 vorbestimmt war und die deutschen Armeen bis zum 11.11.18 keine Schlacht mehr gewinnen konnten. (Rückzugslinien) Wahr ist, dass die Fähigkeit Hindenburg äußerst begrenzt waren und er auf Ludendorff angewiesen war. 1918 war die deutsche Genaralität total überfordert und konnt nur noch die Schlachtbank bedienen. Soldaten zogen die Notbremse!


Die Freikorpsverbände

Folge des Versailler Vertrags und Begrenzug auf 100 000 Mann Heer

In den Freikorpsverbänden sammelte sich der Kern eines neuen, kämpferischen, antidemokratischen Nationalismus. Gestützt auf zwei solcher Freikorps, die sich der Auflösung, die sich der Auflösung durch die Regierung widersetzten, putschten am 13. März 1920 der Reichwehrgeneral Lüttwitz, der frühere ostpreußische Generallandschaftsdirektor Kapp, der Freikorpsführer Korvattenkapitän Ehrhard und andere Offiziere gegen die demokratische Republik.

Die Reichswehr,deren Aufgabe es gewesen wäre, die Republik zu schützen, weigerten sich gegen die Putschisten zu kämpfen (Waren sie nicht auf die Republik vereidigt?). Der General von Seeckt und die Reichswehrführung ließen die Regierung und damit das Volk im Stich, wo es galt zum ersten Mal gegen rechts aufzustehen und nicht wie bisher gegen links zu schützen. Die Reichsregierung mit Kanzler Bauer an der Spitze floh aus Berlin. Die Gewerkschaften, Arbeiter und Beamten, Parteien riefen zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Auch die Beamten in den Ministerien verweigerten der illegalen Putschregierung die Zusammenarbeit.

Der Putsch war gescheitert. Der anschließende weiße Terror übertraf den roten Terror an Brutalität und Intensität bei weitem. Die Regierung Müller setzte Kappisten gegen sie selber oder Kameraden ein, die nur gegen Verfassungsbrecher vorgehen wollten und wurden unter der Bedingung des Ausnahmezustandes vor allem von Militärgerichten hart bestraft, während das Strafgericht der Republik über die Feinde von rechts ausblieb.

Was nicht ausblieb ist die Reaktion der Arbeiterschaft bei der Reichstagswahl vom Juni 1920, sie stand ganz unter dem Eindruck des Kapp-Putsches und der nachfolgenden Arbeiteraufständen.. Ergebnis: Es fand ein Erdrutsch bei den Wahlergebnissen der MSPD, USPD, KPD, das Zentrum verlor durch die Abspaltung der Bayerischen Volkspartei 6,1 % (13,6 gegen 19,7%) während die DDP von 18,6 auf 8,2,% absackte. Die großen Gewinner waren die nationlliberale DVP von 4,4 % auf 13.9% und die rechtsaußen angesiedelte DNVP von 10,3 auf 15 %. Entgegen der Meinung von Otto Wels hatte sich der Kapp-Putsch nicht gegen die Rechte ausgewirkt. Im nächsten Kabinett gehörte kein SPD-Politiker mehr an.

Das zweite Kabinett Müller 1928 wurde am 20.Mai 1928 als große Koalition vereidigt, Koalitionspartner waren DDP, Zentrum, DVP und Bayerische Volkspartei. Sie zerbrach am 27. März 1930 an eine geplante Neuregelung der Arbeitstlosenversicherung, eine Herabsetzung stimmt die SPD nicht zu.

Es Begann unter Gustav Brüning die erste Präsidialregierung

(wird überarbeigtegt und fortgesetzt)


Alleinstehende Häuser aus der ersten Bebauungsphase (1863-1914)


  • Schumannstraße 7 (1910)

  • Julienstraße 3 und 5, 7, (1896), Nr. 4 (1903)

  • Wurst Manufaktur Frankfurter Straße 67 (1889)

  • Landausstraße 1 (1892) und 2, 14 (bis 1900)

  • Heinrich Heine 1, 3 und 5,

  • Philosophenweg 38 (Wiederaufbau, Behelf 1945)



Der Krieg überdauert – Baujahr 1889 – 1914

Geschlossene Wohn- und Geschäftsbebauung


Frankfurter Straße 55, 67,

60-68,

72-78

Frankfurter Straße 108 – 110

Frankfurter Straße 127 – 169

Jägerkaserne


  1. Weltkrieg

Die Gedenkstätte für die Gefallenen und Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges wird auch als Ehrenmal bezeichnet und wurde auf die ehemaligen barocken Gartenanlagen des Prinzen Georgs errichtet unterhalb seines Schlosses an der Georgenstraße (1720 entstanden, heute Hugenottenstraße. 1919 wurde vom Kurhessischen Kriegerbund ein Antrag gestellt , eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu errichten. Prof. Hans Sautter schlug den Terrassengarten des Prinzen Georgs vor, 1919 ein verwildeter und verschlossener Garten des Generalkommandos, um hier das Ehrenmal gestalten zu können. Die einst nach weitgreifenden Plänen Landgraf Karls und von du Ry gebaute Anlage, wurde nun umgestaltet. Am 15.11.1920 befürwortgete die Stadtversammlung das Projekt. „Es handelt sich hier um eine Anlage.wie sie wohl keine andere Stadt Deutschlands besitzt“, meinte der SPD – Stadtverordnete Otto Voepel. Die Finanzierung war geregelt, sodass der Bau ab 1920 begonnen werden konnte. Von der Affenalle aus führte ein breiter Weg auf die Terrasse zu, erweiterte sich zu einem großen Rundplatz, dessen Mittelpunkt ein Springbrunnen darstellte. Weiter führte ein Weg zu den Terrassen, deren Wände mit Wein oder Efeu berangt waren. Der Gartensaal, der nach oben die Terrassenanlage krönte, wurde zu einer Ruhmeshalle umgestaltet. Das Ehrenmal ist in vier Ebenen unterteilt, die mit jeweils vier doppelläufigen, gewendeten und streng symmetrischen Treppen verbunden sind.


Die Ehrenhalle

Von Prof. Sautter sokonzipiert, dass die Besucher die Halle als Weihestätte empfinden mussten. An den Wänden die Tafeln der nordhessischen Regimenter, in der Mitte ein „Jüngling, Gefallener, Krieger“, der nur mit einem Fahnentuch halb bedeckt in einem Grab etwas tiefer gelegt, liegt. An den Wänden angebracht Fackeln, die ewig brennen. So kann man sich ehrfurchtsvoll den Gefallenen nähern, der in Frieden mahnend ruht. Ohne Waffen und Stahlhelm ist er engelsgleich erhoben.


Das Ehrenmal in der Karlsaue.

Sautter schuf für die Ruhmeshalle die Skulptur “ Der Gefallene” . Die nackte in ein Ttuch halbverhüllte Figur, ohne Stahlhelm und Waffe, wurde unter den Nationalsozialisten abgedeckt. An den Wänden brachte man Gedenktafel für die Gefallenen verschiedener Regimenter des Ersten Weltkrieges an. Die Einweihung des schon früher fertig gestellten Ehrenmals wurde am Muttertag 1926 vorgenommen,jedoch ohne Oberbürgermeister und Stadtverordnete. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Ehrenmal zerstört. Der Wiederaufbau wurde 1955 abgeschlossen und weitere Gedenktafeln angebracht, wobei aller Opfer der beiden Weltkriege gedacht wurde. In der Stadtverordnetenversammlung 1920 “Es handelt sich hier um eine Anlage, wie sie wohl keine anderen Stadt in Deutschland besitzt., schwärmte am Montag den 15. November 1920 der sozialdemokratische Stadtverordnete und Dipl. Ing.Otto Voepel. Der Plan wurde einstimmig genehmigt. Bereits 1919 hatte der Kurhesssische Kriegerbund. Durch seinen Sprecher Mühlenbesitzer Heinrich Vogt den Antrag zur Schaffung einer Gedenkstätte gestellt. Vogt hatte einen Platz nahe dem Tiergarten vorgeschlagen, wurde aber von Professor Hans Sautter überzeugt, auf dem verwilderten und verschlossenen Garten des Generalkommandos, des früheren Palais des Prinzen Georg, die Gefallenen Gedenkstatt zu errichten. Prof. Sautter war seit 1921 Direktor der Kunstgewerbeschule und von 1924 bis 1928 Leiter des Wohnungsamtes, übernahm die künstlerische Leitung des Projektes, Vogt die gesamtbauliche. Von der “Affenallee” ausführte ein breiter Weg auf die Terrasse zu, erweiterte sich zu einem großen Rundplatz. Dessen Mittelpunkt ein Springbrunnen darstellte. Weiter führte der Weg zu den Terrassen, deren Wände mit Wein und Efeu berankt waren. In der vom Krieg heimgesuchten Stadt konnten.


Die umstrittene Einweihung Im Jahr 1926 konnten nach Reinigung und bauliche Sanierung der Anlage, Ehrentafeln verschiedener Regimenter angebracht werden. Über die Gestaltung und Durchführung der Einweihung im Jahr 1926 gab es Auseinanderetzung zwischen dem Kurhessischen Kriegerbund und der Stadtverwaltung, wobei der Traditiosverband die Teilnahme des republikanischen und SPDnahen Reichsbanners verhindern wollte. Der Magistrat verzichtete auf die Teilnahme und keine Vertreter der Kommune, außer wenigen rechtsgerichteten Stadtverordneten, waren anwesend.


Feierliche Einweihung am 23. September 1928

Erst am 23. September 1928 erfolgte die feierliche Einweihung durch Oberbürgermeister Stadler und die Enthüllung von Sautters Bildwerk „Der Gefallene“, unter Beteiligung des Reichsbanners Schwarz-Rot.Gold, Vertretern von Politik und Behörden. Unter Protest gegen eine solchermaßen demokratische Veranstaltung blieben Stahlhelm und Rotfront der Veranstaltung fern. Den früheren Gartensaal, den oberen Abschluss der Anlage, ließ Sautterzu einer Art Ruhmeshalle oder Weihehalle umgestalten. In der vom Krieg heimgesuchten Stadt konnten sich Krieger,- Traditions- oder Kameradschaftsverbände nicht durchsetzen, so dass es dort nur die Veranstaltungen oder Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag gibt.


Die Skulptur: „Der Gefallene“

„Der Gefallene“ von Hans Sautter in der Ruhmeshalle. In dessen Mitte legte Sautter eine rechteckige Vertiefung an, eine Gruft, die an ein Grab erinnern konnte. Dort positionierte er seine Skulptur, eine aus „gutem deutschen Unterberger Marmor (Kasseler Tageblatt“) geschaffene menschliche Gestalt, eines „Jünglings“eingeschlagen in ein fahnenartiges Tuch. Schon allein wegen dieser Intension kann das Kasseler Ehrenmal als eine Besonderheit gelten. Im Vergleich mit den nach dem I. Weltkrieg allerorts erbauten Kriegerdenkmälern erweist sich Hans Sautters Werk als wohltuende Alternative. Stehen in nahezu allen Fällen die pompöse Herorisierung des Soldatentodes und die Kultivierung nationalstaaatlicher Mythen im Vordergrund, hebt Sautters Gefallener auf die todbringenden Folgen kriegerischen Handelns ab und schließt tendenziell auch nichtmilitärische Opfer mit ein. Seine Arbeit gab der Gedenkstätte am Auehang den entscheidenden und eindrucksvollsten Impuls. Damit schuf Sautter eine Atmosphäre feierlicher Trauer, die ein Gedenken des Krieges fernab jedweder Heroisierung nahelegte.

Sautters Arbeit, so Oberbürgermeister Stadler, bei der offziellen Einweihung im September 1928 verdeutlicht, dass die Kriegergedächtnisstätte Abschluss und Weihe durch Meister Hans Sautters ergreifendes Bildwerk des Gefallenen. Unsere toten Brüder, so Stadler weiter, die als deutsche Männer in Vaterlands Pflicht und Opfer ihr Höchstes, ihr Blut gegeben haben, damit Deutschland lebe, sind Mahnung und Vorbild (gewohnte retorische Formeln, wie sie auch zu den Vertretern von Traditionsverbänden gern hörten... ) und Stadler fährt fort, die Botschaft von Sautters Kunswerk aufgreifend, „sie sind vestorben im festen Glauben an des Vaterlandes Größe und Einheit, aber auch nach der unsäglichen Sehnsucht nach Frieden im Herzen. Uns erwacht Pflicht und Aufgabe, ihr Vermächtnis wachzuhalten und ihnen nacheifernd in Treue, Opfersinn und Brüderlichkeit Kraft und Können einzusetzen für des Vaterlandes Erstarkung und Aufstieg, aber auch (ab hier im liberalen Kasseler Tageblatt fett hervorgehoben, A. L.) mitzubauen an den Dämmen, durch die der Sintflut eines neuen Krieges die stärke menschlicher Verbundenheit entgegengestemmt wird.“

Das war eine Botschaft ganz im Sinne des Künstlers Sautter, die aber Rechtskonservative und Revanchisten nicht zu akzeptieren bereit waren.. Anders als die gemeinhin üblichen Kriegerdenkmäler war Sautters Werk nämlich nicht dazu angetan, vaterländisches Heldentum und nationalistische Euphorie zu preisen. Bald machte der Spottname „Sautter-Leiche“,auch „Spitals-Leiche“, die Runde und es kam von Seiten der Regimentsvereine verbissene Kritik.“




II. Weltkrieg

Luftangriff : Zerstörung des Ehrenmals

Keine Erinnerungsfeiern am Ehrenmal während der Nazi-Zeit

Stalingrad S. 74 – 81 nach Schröter Buch über Stalingrad






III. Nationalsoziaismus – Fürstengarten -Der Gehenkte

Gleich nach der Machtübernahme startete die Kurhessische Landeszeitung eine Kampagne gegen das verhasste Denkmal. Vor allem geriet Hans Sautter, als Direktor der Kunstgewerbeschule abgesetzt, in die Kritik. Sein Nachfolger im Amt des Schulleites, Dr. Georg Blaß, polemisierte gegen Sautters Werk: ...es drückt nicht den heldischen Gedanken aus, und wie könnte das auch sein, wenn er Marxist und Pazifist ist und zu einer Clique von Gott sei Dank jetzt endgültig beseitigten „Führern“ der vergangenen unerfreulichen und schmachvollen Epoche gehörte.“ Und schließlich heißt es in einem Leserbrief eines „Pg. Kupfer“ ... „fort mit dem pazifistischen Dreck!“ 1938 ließen die Machthaber den „Gefallenen“ überdecken und die Gruft schließen. Die Skulptur Sautters wurde 1951 wieder ausgegraben, Das Mahnmal wurde nach Beseitigung der Kriegsschäden am 14.11.1954 wieder eingeweiht.




Der Gefallene“ von Hans Sautter in der Ruhmeshalle. In dessen Mitte legte Sautter eine rechteckige Vertiefung an, eine Gruft, die an ein Grab erinnern konnte. Dort positionierte er seine Skulptur, eine aus „gutem deutschen Unterberger Marmor (Kasseler Tageblatt“) geschaffene menschliche Gestalt, eines „Jünglings“eingeschlagen in ein fahnenartives Tuch. Schon allein wegen dieser Intension kann das Kasseler Ehrenmal als eine Besonderheit gelten. Im Vergleich mit den nach dem I. Weltkrieg allerorts erbauten Kriegerdenkmälern erweist sich Hans Sautters Werk als wohltuende Alternative.Stehen in nahezu allen Fällen die pompöse Herorisierung des Soldatentodes und die Kultivierung nationalstaaatlicher Mythen im Vordergrund, hebt Sautters Gefallener auf die todbringenden Folgen kriegerischen Handelns ab und schließt tendenziell auch nichtmilitärische Opfer mit ein.Seine Arbeit gab der Gedenkstätte am Auehang den entscheidenden und eindrucksvollsten Impuls. Damit schuf Sautter eine Atmosphäre feierlicher Trauer, die ein Gedenken des Krieges fernab jedweder Heroisierung nahelegte. Sautters Arbeit, so Oberbürgermeister Stadler, bei der offzielen Einweihung im September 1928 verdeutlicht, dass die Kriegergedächnisstätte Abschluss und Weihe durch Meister Hans Sautters ergreifendes Bildwerk des Gefallenen. Unsere toten Brüder, so Stadler weiter, die als deutsche Männer iVaterlandn Pflicht und Opfer ihr Höchstes, ihr Blut gegeben haben, damit Deutschland lebe, sind Mahnung und Vorbild (gewohnte retorische Formeln, wie sie auch zu den Vertretern von Traditionsverbänden gern hörten... ) und Stadler „weiter „sie sind vestorben im festen Glauben an des Vaterlandes Größe und Einheit, aber auch nach der unsäglichen Sehnsucht nach Frieden im Herzen. Uns erwacht Pflicht und Aufgabe, ihr Vermächtnis wachzuhalten und ihnen nacheifernd in Treue, Opfersinn und Brüderlichkeit Kraft und Können einzusetzen für des Vaterlandes Erstarkung und Aufstieg, aber auch ( ab hier im liberalen Kasseler Tageblatt fett hervorgehoben,A. L.) mitzubauen an den Dämmen, durch die der Sintflut eines neuen Krieges die stärke menschlicher Verbundenheit entgegengestemmt wird.“

Das war eine Botschaft ganz im Sinne des Künstlers Sautter, die aber Rechtskonservative und Revanchisten nicht zu akzeptieren bereit waren.. Anders als die gemeinhin üblichen Kriegerdenkmäler war Sautters Werk nämlich nicht dazu angetan, vaterländisches Heldentum und nationalistische Euphorie zu preisen. Auch jetzt gab es wieder den Streit um die zentrale Frage: Heldenverehrung oder Trauer um die Opfer. Die Wogen schlugen hoch, als der Deutsche Gewerkschaftsbund am 23.02.1955 am Ehrenmal eine Kundgebung gegen die Wiederbewaffnung plante. Soldatenverbände und konservative Kräfte versuchten mit allen Mitteln die Veranstaltung zu verhindern, vergebens. Wenig später konnten die Soldatenvereinigungen am 15.5.1955 dagegen eine neue Gedenktafel für Angehörige der Falken-Division anbringen und mit einer mächtigen Kundgebung ihre Position zur Politik der Zeit an die Öffentlichkeit bringen.


Der Gefallene“

In der Ehrenhalle ruht der von Hans Sautter geschaffene“Der Gefallene“ der von den nationalistisch patriotischen Vereine und Parteien verungklimpft und nach der Machtübernahme durch eine Kampagne gegen das Denkmal und den Künstler Hans Sautter verschärft wurde. Sie plazierten in den Medien das Unwort „Sautterleiche“, die Gestalt eines „Jünglings“ , keines Soldaten, der ohne pompöse Herorisierung des Soldatentodes an die todbringenden Folgen kriegerischen Handelns hinweisst „und die Skulptur schliesst auch nichtmilitärische Opfer mit ein. Seine Arbeit gab der Gedenkstätte den entscheidenden und eindrucksvollsten künstlerischen Impuls“,(Soweit Alexander Link)


Da Hans Sautter aus München kam, kannte er sicher die Skulptur „Ruhender Krieger“ des Bildhauers Bernhard Bleeker in der Gedenkstätte vor dem Bayerischen Armeemuseum in München, die 19124 fertiggestellt wurde, aber er seinen toten Soldaten in Uniform und mit Stahlhelm ausführte. Also eine andere Aussage erhält als die von Sautter. Bei der offiziellen Einweihungsfeier im September 1928: führte Stadler auch aus „ die Botschaft von Sautters Kunstwerk ist, sie sind gestorben im festen Glauben an des Vaterlands Größe und Einheit, aber auch mit einer unsäglichen Sehnsucht nach Frieden im Herzen. Uns erwacht Pflicht und Aufgabe, ihr Vermächtnis wachzuhalten und ihnen Treue und Opfersinn, Brüderlichkeit, Kraft und Können einzusetzen für des Vaterlands Erstarkung und Aufstieg und mitzubauen an den Dämmen, durch die der Sintflut eines neuen Krieges die Stärke menschlicher Verbundenheit entgegengestemmt wird.“

Das war eine Botschaft ganz im Sinne des Künstlers Sautter, die aber Rechtskonservative und Revanchisten nicht zu akzeptierten bereit waren.






Mahnmal für die Verfolgten und Vernichteten der NS-Diktatur“

Die Lebenden Rufe Ich – DIE TOTEN BEKLAGE ICH“

Am 8.1.1951 schreibt der Magistrat einen beschränkten Wettbewerb zur Gestaltung eines Mahnmals unter den Mitgliedern des Kasseler Berufsverbandes Bildender Künstler aus. 16 weitere Bildhauer werden zur Teilnahme aufgefordert. Zum Einsendeschluß am

30.April liegen 32 Entwürfe von 20 Teilnehmern vor. Das Preisgericht aus Fachleuten und Vertretern der Stadt kürt am 20.6.1951 den Entwurf des 75jährigen Bildhauers

Prof. Hans Sautter aus Kassel, eines im Dritten Reich verfolgten

Künstlers, als Sieger. Die Bildhauer Wilhelm Hugues (2. Preis und 2. Ankauf), Paul

Halbhuber 3. Preis) und Paul Häßler (1. Ankauf) erhalten die weiteren Prämien. Ab 29.6.1951 werden die Arbeiten für 14 Tage im Stadtkrankenhaus Wilhelmshöhe

öffentlich zur Diskussion gestellt.


Die Stadtverordneten schließen sich der Entscheidung der Jury an, so daß noch im Herbst 1951 mit dem Bau begonnen werden kann. Am 6.12.1953 wird das Denkmal eingeweiht.

Sautters Entwurf hebt sich bereits in seiner Standortwahl und - behandlung

deutlich von den übrigen Einsendungen ab. Entgegen der Ausschreibung, die eine dreieckige Grünfläche vor der Murhard-Bibliothek vorsah, wählt der Bildhauer das „sehr einsame” Gelände des nordöstlichen Fürstengartens hinter dem Gebäude für sein Denkmal aus. Im Jahr 1953 wird er die Standortsuche rückblickend so beschreiben: „Ich suchte damals einen Platz, der für eine solche Mahnstätte geeignet war. Er sollte der breiten Öffentlichkeit zugänglich sein, zugleich aber auch zum Verweilen, zur

Besinnung, zur Vertiefung der Erkenntnis auffordern.”

198

Anders als die übrigen Bildhauer, die sich ganz auf skulpturale Entwürfe verlegen, schlägt Sautter die Errichtung eines architektonisch geprägten Denkmals vor.

Ein nach oben offener Rundbau soll sich anstelle eines bestehenden, vermutlich als Aussichtsplattform angelegten Rondells, bastionsartig aus einem Geländerücken des

Parkes erheben. Der Mauerring (Höhe 7 m) aus grob bossierten Sandsteinquadern

markiert heute die Innenkurve der später angelegten Straße „Am Weinberg”. Zum Straßenraum wehrhaft geschlossen und abweisend, ist das Denkmal deutlich der

Parkseite zugewendet. Eine kurze, rampenartig aufgeschüttete Allee führt axial zu seinem Eingang hin. Ein kleiner Vorplatz ist dem Eingang vorgelagert.

Das architektonisch geprägte Denkmal wird durch zwei stelenartige Skulpturen flankiert, die die Titel Trauer” und „Hoffnung” tragen. Die trauernde (vollkommen in ein Tuch gehüllte) und die hoffende (flehend die Hände erhebende) Gestalt, die eine zeitgenössische Kritik „im Geist des frühen Mittelalters” geschaffen sieht, sind in ihrer Darstellungsweise auf kubische, anthropomorph-abstrahierende Körperformen reduziert. Der Eindruck des Bedrückenden, der von den grob behauenen Skulpturen ausgeht, wird durch lastende, über den Köpfen weit vorkragende Deckplatten noch verstärkt.

Der Besucher tritt in einen engen, schleusenartigen Vorhof. Der von groben Bruchsteinplatten belegte Hof leitet schließlich in einen engen, lastenden Durchgang über. Hier ist die bereits genannte Widmung des Mahnmals über einem Zitat Schillers angebracht, das die Intention der Trauer zaghaft mit mahnenden Forderungen verknüpft: „Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich”, liest der Ankommende, während ihn vier Stufen zum tiefer liegenden Innern des Rondells führen.

Das Wehrhaft-Abweisende der äußeren Form findet hier, im Innern des ringförmigen Bauwerks, ihr logisches Pendant im Eindruck des Geschützt- oder (je nach Empfindung) des Eingeschlossenseins. Alles in diesem von der Außenwelt abgeschlossenen, zum Himmel geöffneten Raum strebt dem Fallbeispiele Hessische Bildhauer im Wettbewerb. In: Kasseler Post v. 6.7.1951 nach: OdF-Mahnstätte wird Sonntag eingeweiht. In: Hessische Nachrichten v. 2.12.1953. Jury gab den ersten Preis für Entwurf eines OdF-Mahnmals an Prof.

Sautter. In: Hessische Nachrichten v. 21.6.1951. Stadtarchiv Kassel. 55 A - 253,

Sitzungsprot. Baukomm. v. 28.6.1951. Vgl. Kap. 13.4. Stadtarchiv Kassel: 55 A - 253.

Sitzungsprot. Baukomm. v. 5.10.1950.

Mittelpunkt zu, den eine bereits seit Beschreiten des Zugangsweges sichtbare, bronzene Dornenkrone einnimmt. Die am Boden liegende Skulptur zeigt das symbolische

Dornengeflecht in monumentalisierter Größe und Gestalt. Radiale Strukturen der Natursteinplatten am Boden führen zusätzlich zu diesem Zentrum hin. Ein Band aus blauen Blumen, in denen Sautter ein Zeichen der Treue sehen möchte, zieht sich um das Mauerrund. Auf einer ringförmigen Natursteinbank sollen 100 Menschen Platz nehmen können. An der Mauer sind zwei längere Zitate (Hebbel und Hölderlin) und sechs Kranzhalter zu finden. Sautter legt dem Denkmal ein kontemplatives Erfahrungsmuster zugrunde: Ein vom Stadtgeschehen abgewendeter, landschaftlicher Standort; die architektonische Abgrenzung eines vom „fernen Großstadtgetriebe völlig entrückten” Gedenkraumes; die Inszenierung seines Zuganges durch aufeinanderfolgende, schleusenartige Tor- und Hofsituationen. Der runde Ehrenhof schließlich bringt

mit seiner Konzentration auf das Zentrum, seiner Verweil-Aufforderung durch eine ringförmige Ruhebank und seine ausführlichen literarischen Zitate das Motiv der Verinnerlichung zum Höhepunkt. Der Besucher soll sich durch Einfühlung das historische Geschehen vergegenwärtigen; die Aussage des Mahnmals beruht weniger auf historischen Fakten und intellektuellen Aussagen als auf dem Gefühl der Trauer.

So einzigartig und anerkennenswert das Denkmal einerseits in seiner anfänglichen Intention und Widmung ist, so deutlich bleibt es andererseits in seiner gestalterischen Umsetzung den traditionellen Mustern der Gefallenenehrung verhaftet. Sautter, der auf dem Gebiet der Memorialkunst Erfahrungen besaß, entwirft für die Opfer des Faschismus eine Anlage, die sich nur durch ihre textlichen Attribute von den herkömmlichen Vorbildern der Kriegerehrung unterscheidet. So sind die Parallelen

dieser wehrhaften Memorialarchitektur zum diskreditierten Motiv der „Totenburgen” des

VDK unübersehbar; sie reichen von der kreisförmigen Elementarform über die Verwendung „echter Baustoffe in gediegener Verarbeitung” im Innen- und des im Außenbereich dominierenden rauhen Mauerwerks, über die schwellenartige Betonung der Eingangssituationen zwischen Außenwelt und geweihtem” Innenbezirk bis hin zur

Absenkung bestimmter Raumsituationen für kontemplative Zwecke. Andere Interpretationen führen die Gestalt stärker auf konkrete stadthistorische Bezüge - das Denkmal befindet sich am Standort eines bestehendes Rondells - und das räumliche

Einfühlungsvermögen eines Bildhauers zurück, der in den zwanziger Jahren städtebaulich tätig war. Fragwürdig ist zweifellos das zentrale Motiv der Dornenkrone.

Sautter verwendet das christliche Symbol des Opfertodes Christi ungeachtet der Tatsache, daß es nicht alle NS-Opfer repräsentieren kann. Insbesondere die Juden, die die zentrale Widmung von den „Vernichteten” einzuschließen scheint, werden mit diesem Motiv ausgeschlossen. Als Sautter in seinem Wettbewerbsbeitrag von

einem dornenkranz der deutschen” spricht, engt er das Symbol zusätzlich auf eine nationale Aussage ein.

Ein Denkmal also nur den deutschen Opfern?

Das Denkmal hat im Laufe der Jahre nur wenige Änderungen erfahren. Die erhabenen

Bronzebuchstaben der zentralen Widmungen sind inzwischen (wohl der besseren

Lesbarkeit wegen) auf hellen Grundplatten angebracht. Im Ringbeet wurde ausdauernder

Steinbrech gepflanzt. Das Denkmal konnte im Laufe der Jahre wenig Beachtung und öffentliche Wirksamkeit erlangen. Dafür mag einerseits der Standort in einer Parkanlage verantwortlich sein, dessen Abgeschiedenheit durch die Lage des Einganges noch verstärkt wird. Umgekehrt vermag das Denkmal kaum auf den Fürstengarten ausstrahlen.


Mahnstätte der Besinnung. In: Kasseler Post v. 2.12.1953.

200

Die Krone besitzt einen Durchmesser von 2,50 m und setzt sich aus 700 Dornen zusammen. Vgl.

Magistrat der Stadt Kassel (1991). S. 276.

Zusätzlich haben Pflanzungen das ursprünglich solitäre Bauwerk beinahe vollkommen überwachsen. Heute muß im Rathaus den Schlüssel holen, wer das Mahnmal

besichtigen möchte.




Skulptur "Den Opfern der Gewalt" von Vadim Sidur auf dem Friedrichsplatz gegenüber der Kirche St. Elisabeth in Kassel Eine Bürgerinitiative brachte 1974 Geld auf, damit der kleinformatige Entwurf realisiert werden konnte.


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29 April 2006 (original upload date)

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Skulpturen in der Südstadt

Claes Oldenburgs Spitzhacke an der Fulda

Zur documenta 7 (1982) am Fuldaufer errichtete Spitzhacke, sollte darauf hindeuten,

dass Kassel nach dem Krieg eine große Baustelle war, auch zur Bundesgartenschau 1981, so wählte Oldenburg dieses Werkzeug aus. Der Standort kam nicht von ungefähr, denn die Achse Herkules über das Schloss, bis an das Ende der Wilhlemshöher Allee dem Brüder Grimm Platz. Der Stil der 10,25 Meter langen Skulptur weist auf die Achse zum Herkules. In seiner Fantasie schleuderte der Herkules die Spitzhacke an das Ufer der Fulda, ganz wie aus der Märchenwelt der Brüder Grimm entnommen.

DOCUMENTA -WERKE


Seit 1959 gehören documenta Kunstwerke zum Erscheinungsbild der Stadt. So auch in der Karlsaue und am Friedrichsplatz. Für neue neue Ausblicke sorgte 1977 der begehbare Rahmenbau von der Künstlergruppe Hans-Rucker und Co an der Hangkante zur Aue für einen weiten Blick über den Barockpark und den Ostteil von Kassel.

Das 31 Meter lange Stahlgitter, 16.50m breit und 14 Meter hoch blieb dank eienr Spende der Kasseler Sparkasse erhalten. Der Besucher wird zu Blickwechseln verführt, um die Landschaft zu betrachten. An dem großen Rahmen hängt weit vorgestreckt ein kleiner Rahmen, der wie ein Sucher ein Bild fixiert, quasi ein Diarahmen mit Bild wird geliefert.

Der Künstler schafft den Blick auf eine Normalität, vorn das Dach der Orangerie, dahinter die Schornsteine des einstigen Industriegebietes von Bettenhausen. Ein Blick und eine Sichtweise, die sonst nicht zusammen wahrgenommen wird. Der Rahmenbau erzwingt sozusagen die Akzeptanz der einen Wahrheit

(nach Dirk Schwarze HNA 22.06.2005)



Der broncebaum

Im Sommer 2009 wurde das erste Kunstwerk der d13 in der Karlsaue gepflanzt: Der Broncebaum “Idee die Pietra” von Giuseppe Pencone trägt in seiner Krone einen schweren

Granit-Findling. Am Fuße der Skulptur wurde eine kleine Stechpalme gepflanzt. Wie diese

werde auch die documenta in den nächsten zwei Jahren wachsen. Die Leiterin der d 13, Carolyn Christov- Bakargiev, setzt auf das organische Wachsen der documenta, wie bei einer

Pflanze, die wächst und wächst.

Hessenlöwe

Am Auehang neben der Treppenanlage unterhalb der AOK steht diese Marmorplastik eines ruhenden Löwen, 1874 von G. Kaupert entworfen. Ehemals auf hohem Sockel inmitten der Karlsaue, geschaffen „„Zum Andenken der als Opfer der französischen Fremdherrschaft gefallenen hessischen Patrioten“. Ein Denkmal aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen, ein Teil der Gesamtheit Karlsaue.


Marmorbadbrücke

1792 errichtet von S. L. Du Ry. Schlichter Bogenbau mit simsartigem Randgeschwulst und einfachem eisernen Geländer. 1981 unter Einbehaltung des Längsschnitts und der Formdetails verbreitert.

und Löwenbrücke

dieses Kulturdenkmal wurde 1813 erbaut. Sie liegt zwischen dem hochgelegenen Gelände des ehemaligen Schlosses (heute Regierungspräsidium) und der Voraue. An dieser Stelle standen vorher Brücken aus Holz und Schildmauern aus Sandstein. Der Brückenbogen wurde 1920 erneuert. Vor der Treppe zwei liegende Löwen aus Sandstein.


Das Rondell

Oberhalb des Rondells auf dem Areal des Regierungspräsidiums stand um 900 der ehemalige fränkische Königshof, entdeckt wurden die Kellergewölbe einer alten Landgrafenburg aus dem 14. und 15. Jh... Landgraf Philipp I. Ließ sie 1550 einreißen und errichtete hier ein Residenzschloss. König Jérôme ließ eine Heizung einbauen, die Ursache für einen Brand 1811 war, der das Schloss zerstörte. 1875 begann der Bau eines Justiz- und Verwaltungspalastes (1882 fertig gestellt), das im Krieg durch Bomben zerstört wurde. Heute steht hier das Regierungspräsidium am Steinweg.


Tempel Zur schönen Aussicht

Klassizistischer Rundtempel als Endpunkt

Am Frankfurter Tor und der Bellevuestraße befand ich Anfang des 19. Jh. ein Schuttberg, der beseitigt werden musste. So erhielt David Engelhardt (1788-1856) den Auftrag vom Kurfürsten Wilhelm I. hier einen klassizistischen freistehenden Rundtempel zu planen, der 1815 fertig gestellt werden konnte. Acht hohe portalartige Öffnungen, Mauerpfeiler mit vorgesetzten Halbsäulen tragen die Kuppel. Über den Portalen befinden sich Festons und Greifenpaare, Palmettenfries im Gebälk der flachgewölbten Kuppelschale. Der Rundtempel hat die Luftangriffe stark beschädigt überstanden und wurde zur Bundesgartenschau ein Blickpunkt am Ende der Schönen Aussicht. Engelhard war (HNA) Goethes Vorbild für die Gestalt des Architekten in den „Wahlverwandtschaften.“


Das Hölksche Haus, Friedrichsstraße/Frankfurter Straße

Das Baujuwel gegenüber der Neuen Galerie wurde 1879, zwei Jahre nach der Eröffnung der Neuen Galerie, fertig gestellt.Hoflieferant Christian Hölke, Fabrikant, der den königlichen Hof mit Sanitärobjekten belieferte,baute diesen heutigen Blickfang an der Trompete. Es wurde ein viergeschossiger Klinkerbau im Stile der italienischen Renaissance. Die ausgeprägte Jugendstilfassade gehört zu den schönsten und wertvollsten der Stadt. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Im Juli 2000 wurde das Haus aufwendig saniert, was durch anschließender gewerblicher Nutzung auch finanziell erleichtert wurde.Die Sanierung wird im Frühjahr 2001 beendet sein. Die vielfach im Originalzustand erhaltenen Bauelemente wurden aufwendig aufgearbeitet. Das Treppenhaus mit seinen filigranen gusseisernen Ornamenten, den Wandkassetten und Holzstufen, strahlen in neuem Glanz. Ein Fahrstuhl wurde eingebaut und die Raumaufteilung der Obergeschosse von 270 m² sind verändert worden, so dass Vermietungen möglich sind. Die Gastronomie mit 300 m², die im Hof glasüberdacht sind, soll ein Mix aus kulinarischen Genüssen und exotischen Erlebniswelten mit hohem Kommunikationswert bieten.

Das Elisabethkloster/Krankenhaus

Im April 1882 kamen die ersten drei katholischen Vinzentinerinnen aus dem Hildesheimer Mutterhaus nach Kassel, um sich der ambulanten Pflege zu widmen, zuerst in der Frankfurter

Straße, dann im neuen Gebäude 1899, im ELISABETHKLOSTER mit 40 Betten.


Jägerkaserne

1706: Aufstellung einer Husarenkompanie und Einsatz auf den Kriegsschauplätzen des 18. und 19.Jh.. Die bisher in der Marstall- und Garde du Corps-Kaserne liegende Eskadron (4.,2. und 3.) wurden 1910 in die neu erbaute Kaserne in der Bosestraße (Jägerkaserne) verlegt. Als erstes zog 1910 ein Truppenteil des Königlich-Preußischen-Husarenregiments Landgraf Friedrich von Hessen - Homburg Nr. 14 mit Regimentsstab und zwei Schwadronen ein. Die 2. und 3. blieben in der neu bezogenen Husarenkaserne in der Frankfurter Straße 78. Das Infanterieregiment Nr. 167 wurde 1897 mit zwei Bataillonen mit dem Infanterieregiment 32. und 44. Infanteriebrigade aufgestellt und der 22. Division in Kassel unterstellt. Das I. Bataillon

war in der Stadtkaserne untergebracht, das II. in der Infanteriekaserne in der Hohenzollernstraße, die damals auch die 83er 1914 beherbergte. 1907 erfolgte die Verlegung in die neu erbaute Kaserne in der Frankfurter Straße.

Die „Feuerprobe“ (So ein Zeitungsbericht) sollte das Regiment 1914 bestehen.

Unter Führung des Obersten v. Auer zog das Regiment im Verband der 22. Division und des XI. Armeekorps gegen Westen. Bei der Eroberung der Festung Namur hatte das Regiment während seiner „Feuertaufe“ hohe Verluste. Es folgten Einsätze in Ostpreußen an der Schlacht an den Masurischen Seen 1915. Auf verschiedenen Schlachtfeldern im Osten verloren viele 167er ihr Leben. Im Oktober 1917 wurde das Regiment an die Westfront verlegt und zum letzten Mal an die „Schlachtbank“ geführt. In der Kasseler Post wird diese Tatsache so dargestellt: „Eine strahlende Kette echten Soldatentums und der Treue bis zum Tod sind die Heldentaten des 4. November 1918 mit dem in der Verteidigung von Le Quesnova die Kriegsgeschichte des Regiments ebenso würdig sich schließt, wie sie begonnen hat. Die Überlebenden des Regiments - etwa 400 Mann - wurden an diesem Tage eingeschlossen und gefangen genommen und kehrten erst im Sommer 1919 zurück.“

Das 167er Denkmal auf dem Kasernengelände erinnert heute noch an die Gefallenen 167er.



Wilhelm Hentze – Denkmal auf Siebenbergen

Am 5.Mai 1897 wurde das Denkmal eingeweiht. Man würdigte damit dem Hofgartendirektor, der 1875 verstorben war und sowohl diese Insel Siebenbergen als auch die Karlsaue in einem Naturpark umgewandelt hatte, ein Denkmal an einer idyllischen Stelle der Insel mit Blick auf den Wassergraben. Hentzes waren schon seit Generationen Gärtner gewesen. Der Vater Franz Carl wurde Hofgärtner in Wilhelmsthal und Wilhelmshöhe. Er heiratete 1793 Henriette Meinecke, die aus der Familie entstammte, der 1786 in der Wilhelmshöher Allee 83 eine Schokoladenfabrik betreiben durfte. In den 1930er Jahren gab es noch die populäre Gaststätte Demmlersche „Schokoladenfabrik“ Hier wurde Wilhelm Hentze am 14. September 1793 geboren. Seit den 1820er Jahren begann sein Wirken für die Karlsaue. Er verwandelte bis zu seinem Abschied als 70jähriger den alten Park französischen Geschmacks in eine Insel große landschaftliche Anlage in der Art eines Volksparks. Er machte aus der verwilderten Insel Siebenbergen einen sehenswerten botanischen Garten, ein Juwel und Kleinod bis zum heutigen Tag.


Frankfurter Tor

Verbreiterung der Frankfurter Straße am Weinberg

1765: Verbreiterung und Krümmung

1803: Straßenniveau gesenkt und verbreitert.

1873: Henschel baut die Brücke mit einem Bogen

1880: Abriss des Frankfurter Tores

1927: Verbreiterung für Straßenbahn, neuer Fußweg (zweiter Bogen) angelegt.

1977: Abriss der steinerne Brücke, Betonbrücke wird gebaut.

Das Weinberger Tor (Stadtplan 1710)

1704 in Nähe der heutigen Brücke errichtet Überführung als Weg zu Weinbergweg genutzt.

1757: mit Schlagbaum versehen

Wachthaus an der Ostseite

1765: Weinbergstraße bequemer befahrbar gemacht. Abtragen vom Weinberghang, Straße

erhielt ihre heute noch vorhandenen Krümungen.

1802: Tor beseitigt. In He Friedrichstraße verlegt,

1880: f� den Bau der Galerie abgerissen.

Henschel baute zuvor die steinerne Brücke

1927: Straße verbreitert und Br�ke mit einem Passantenbogen

versehen.

1977: Abbruch der steinernen Brücke, Bau einer Betonbrücke (Grüne Brücke)


Inschrift der Tafel unter der Brücke:

"Unter dem gnädigen Schutze des Allermächtigen

errichtete der edle Landgraf Karl von Hessen dieses

Festungstor und weihte es der Mit- und Nachwelt im

Jahre 1704 der christlichen Zeitrechnung."

Im Weinberg: Hohlräume – Eisstollen

1756: Munitionsdepot

Kurhessischer Eiskeller, von der Hofbleiche aus begehbar.

1824: Felsenkeller (Stollen) auf der Westseite

1831: Keller von Ostheim mit Tiefkeller, daneben

Eissengarthen, Klüppel, Meifarth, Peilert

1832: Gartenhaus von Eissengarthes als Ausschank

1834: 1842 Peilert Gartenhaus zum Ausschank

1837: Nach Bericht von LOBE befinden sich 16 Keller im Weinberg,

da sich das Bier hier vortrefflich hielt.

1848: Anlage des Schiebelerschen Kellers, zwischen Eissengarthen und Ostheim

1855: Peilert ließ einen neuen Weg am Hang des Berge zu seinem Biergarten bauen, der über

eine Spitzkehre auf eine breiten Terrasse zu seinem Biergarten führte. Heute noch

vorhanden.

1863: Neue Eingangsüberdachung für seinen Bierkeller gebaut.

1865: Schiebeler vergrößert seinen Keller.

1903: Bau der Henschelbögen

1904: Verlegung der Weinbergstraße nach Norden, Knick der Straße beim Museum noch

heute zu sehen.


.Kurhessische Kriegergedächnisstätte

Die Gedenkstätte für die Gefallenen und Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges wird auch als Ehrenmal bezeichnet und wurde auf die ehemaligen barocken Gartenanlagen des Prinzen Georgs errichtet unterhalb des heutigen AOK Gebäudes vormals Schloss des Prinzen Georgs um 1720 entstanden. 1919 wurde vom Kurhessischen Kriegerbund ein Antrag gestellt , eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu errichten. Hans Sautter schlug den Terrassengarten des Prinzen Georgs vor, um hier das Ehrenmal gestalten zu können. Das Ehrenmal ist in vier Ebenen unterteilt, die mit jeweils vier doppelläufigen, gewendeten und streng symmetrischen Treppen verbunden sind. Den Abschluss bildet eine Ruhmeshalle. Sautter schuf für die Ruhmeshalle die Skulptur “Gefallenen” . Die nackte in ein Leichentuch gehüllte Figur ging später respektlos als “Sautterleiche” in den Volksmund ein. An den Wänden brachte man Gedenktafel für die Gefallenen verschiedener Regimenter des Ersten Weltkrieges an. Die Einweihung des schon früher fertig gestellten Ehrenmals wurde am Muttertag 1926 vorgenommen. Die Nazis verdeckten die “pazifistische Leiche”. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gefallenengedenkstatt zerstört. Der Wiederaufbau wurde 1955 abgeschlossen und weitere Gedenktafeln angebracht, wobei aller Opfer der beiden Weltkriege gedacht wurde. Umstritten war die Anbringung 1987 der Tafel für die Deserteure des II. Weltkrieges. Einer der ersten Tafel in ganz Deutschland dieser Art. Die Obere Neustadt mit ihrer Vergangenheit liegt im Auehang verborgen. Die Trümmer der zerstörten Stadt wurden über den Hang gekippt. Zur Bundesgartenschau 1955 wurde der Hang in die Parklandschaft Karlsaue einbezogen.



Sportzentren


Änderungen bitte vornehmen


Tennis in der Südstadt

TC 31, Kasseler Tennisclub 1931 e.V., Menzelstraße 25,

seit den 1960er Jahren in der Südstadt, Spitzenclub in Nordhesse

spielt in der Hessenliga. 2 Hallen- und 9 Außenplätze stehen für über 400 Mitglieder

zur Verfügung.



Der Auedamm ist zur Hauptschlagader des Rudersports und des Kasseler Freizeitgeländes unserer Region aufgestiegen. Hier befinden sich die ältesten Kasseler Sportvereine:

Ruderverein Cassel e.V., 23.Apr. 1890;

Kasseler Schwimmverein Kurhessen von 1898) CSK 14. Juni 1898 gegründet,

RVC gegründet 1890, Ruderverein Cassel.


Auebad

Wurde 1923 von Philipp Scheidemann eingeweiht, zuvor badeten hier bei dem Kasseler Original „Schwimmi Gerhard“ Schüler und Schülerinnen aller Kasseler Schulen. Jean Collet,

Nachfahre der legendären Familie Collet, wurde Schwimmmeister. 1829 gab es schon eine Flußbadeanstalt an der Fulda, die 1839 J.B. Collet übernahm. 1892 übernahm August Gerhard von der Witwe Collet die Badeanstalt.


Auestadion

Der Sportplatz Cassel entstand 1889 auf der Hofbleiche Radrennbahn, dann als Fußballplaz für den ersten Kasseler Fußballclub, dem Casseler Fußballverein, der 1908 hinter dem heutigen Auestadion seinen Platz hatte. Aus ihm wurde 1919 der SV Kuhessen von 1893.Die Anlage am Auerand wurde um 66 000m² erweitert und gut ausgebaut. Drei Spielfelder standen zur Verfügung, eine Holztribüne, eine Aschenbahn, eine Radrennbahn mit überhöhen Kurven und Tennisplätze.

Das Auestadion wurde mit Tribüne 1953 eröffnet und 2010 modernisiert und mit eine Flutlichtanlage versehen. Das neue Stadion eignet sich auch für Großveranstaltung, die

2013 zum Hessentag stattfanden.



Die Kasseler Südstadt


Stützmauern

1902/03: Nach Ankauf des Eissengartschen Grundstücks wurden die Futter- und alte Stützmauern ersetzt. Der Entwurf stammt vom Kasseler Architekten Karst & Fanghänel und unter Mitarbeit der Holzmindener Spezialbaufirma Liebold & Co. - in Kassel vertreten durch Paul Zürn - entstand eine gestalterisch gelungene und technisch anspruchsvolle Substruktion aus steingrau eingefärbtem Stampfbeton. Pfeiler mit sie-ben Gewölbebögen, dahinter befinden sich Spannmauern zur Abtragung des Schubs. Die Felderzwischen den Pfeilern wurden ansonsten zur Wasserableitung und aus ästhetischen Gründen offen gelassen.



Die Südstadt,

Gebiet: 385 ha

Wohngebäude: um 805, durchschnittlich 5 Wohnungen, 4150 Wohnungen.

Einwohner : 7.100

Gegliedert in “Gartenstadt Auefeld“, Karlsaue, Frankfurter Tor

Flüsse: Druselbach, Schönfelder Bach

Kleingartenanlagen: Hofbleiche, Naturheilverein Süd und Süd-West,

Auefeld und Giesewiesen.

Schulen:

Friedrich-Wöhler-Schule, Auefeldschule

Hochschule: Kunsthochschule

Kirchen: Markuskirche (Auefeld), Johanneskirche (Frankfstr 78) SELK, Tischbeinstraße

Kindergärten: KITA Landaustraße, Menzelstraße, Südsternchen,, und

Museum: Christine Brückner Haus, H B Str 5


Geschichte

1900 Frankfurter Tor Viertel,

1946 Kassel Süd, 2003 Kassel Südstadt

Gebiet: Vom Weinberg bis Niederzwehren,

Karlsaue bis Wehlheiden.

Ansiedlungen:

1740 Domäne Meierei, Frankfurter Straße 73,

1778: Gelände für Kunstgärtner, Gärtnereien wurden Gaststätten , 1860

Pomologisches Institut, Frankfurter Straße 120

1863: Eisenmöbelfabrik Schmidt&Keerl, Frankfurter Straße 70,

Gelände bis zur Stillingstraße.

1885-1910: Kasernenbauten: Standortlazarett, Husaren- und Jägerkaserne.


Ab 1872, Wohnbebauung im Philosophenweg, entlang der Frankfurter Straße,

bis Niederzwehren. Jugendstilviertel ab 1886 mit Bau der Heckerstraße 32.


1905: 6200 Einwohner

1912: Mit dem Bau der Bürgerschule 29 (1912), Kunstakademie

Kinderkrankenhaus und Jägerkaserne (1907) wurde vor dem

I. Weltkrieg diese erste Bauphase abgeschlossen und anschließend die

Baulücken geschlossen.

1939 lebten 9033 Einwohner im Viertel, 1946 nur noch 3.300 Einwohner.

Zerstörung und Wiederaufbau

Am 8. und 9. März 1945 beim letzten großen Bombenangriff

wurde auch das Frankfurter-Tor-Viertel zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1960.

Bauland im Auefeld erschlossen, so dass 1955 die Gartenstadt

Auefeld gebaut werden konnte. Fertigstellung 1960 mit Markuskirche,

Auefeldschule und Altenheim der Arbeiterwohlfahrt.


1961 lebten 12.838 Menschen im Viertel.

Einwohner 2013 um 7 110.

Am 7. April 1945 wird Willi Seidel vom amerikanischen Militärkommandanten, Major Lamson, zum kommissarischen Oberbürgermeister der Stadt ernannt. Eine schwere Aufgabe, denn es mangelt an allen Ecken und Enden. Die Industrie war zerstört, der Schwarzmarkt regiert und die Versorgung mit Gas und Wasser musste erst funktionsfähig gemacht werden. Das Schulwesen, Polizei und Feuerwehr mussten ebenfalls neu aufgebaut werden. Aber das größte Problem war, neben der Schaffung von Wohnraum, der allgegenwärtige Hunger. Verschärft wurde diese Situation durch die tausendfach in die Stadt zurückkehrenden Flüchtlinge und Soldaten. Der Wiederaufbau der Stadt ging deshalb schleppend voran, wogegen das politische Leben schnell wieder in Gang kam. Schon Anfang September gaben die Besatzungsbehörden im Vorfeld der geplanten Kommunalwahlen Richtlinien heraus, die die Bildung von Gewerkschaften und politischen Parteien auf örtlicher Ebene genehmigten. In der Spinnfaser AG in Bettenhausen fand am 9. September die Gründung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Dies war die erste Feierlichkeit in Kassel nach dem Krieg. Bald wurden auch die politischen Parteien wieder gegründet oder neu gegründet, wobei die SPD und KPD auf alte Strukturen zurückgreifen konnten, während die bürgerlichen Gruppierungen in der CDU und PDP sich neu organisieren müssen. Um den Wiederaufbau zu beschleunigen, wurden die Kasseler Bürger verpflichtet, 14 Tage bei der Schuttbeseitigung auf großen Straßen und Plätzen zu helfen. So wurden bis April 1946 22 800 Quadratmeter Schutt beseitigt. Jetzt konnte der eigentliche Wiederaufbau beginnen. Am 5. April 1946 wird eine Ausstellung über den geplanten Wiederaufbau Kassel der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ausgestellten Aufbaupläne beruhten unverändert auf den Entwürfen des Stabes von Albert Speer aus der Zeit des Nationalsozialismus, die Empörung und Widerstand auslösten. Die Pläne von Stadtbaurat Erich Heinicke werden prägend für das Stadtbild der Nachkriegszeit. Neben diesem politischen Neuanfang blieben die Lebensumstände breiter Bevölkerungsschichten in den Nachkriegsjahren schwierig. Die Kohlenlieferungen waren viel zu gering, so dass im Januar 1947 der Strom teilweise abgeschaltet werden musste. Die Lebensmittelrationen wurden zugeteilt, pro Woche gab es 100 Gramm Fleisch und 50 Gramm Fett über Lebensmittelkarten. Es regiert der Mangel, aber die Hoffnung auf besseren Zeiten lebt.


Verantwortlich

Heinz Körner



Rosenhang und Ehrenmal

Organisch verflochtene Farbstrukturen gliedern diagonal zu den horizontalen Lienen der Wege und Mauern den Hang, und sollten ihn beherrschen. Dominieren sollten die Farben Rot, Blau und Weiß nur in kleineren Tuffs oder in locker gruppierter Einzelstellung (Gelb) (Bild 1-3). Unter diesen Aspekten wurden dann auch die inzwischen den Hang überwältigenden verwilderten Stauchrosen, Feuerdorn und - etwas vorsichtiger - Tafeleiben, gerodet.

Für den Rückbau von Mattern ausgeklammert wurde der südöstliche und nordwestliche Eckbereich, um in der Anlage Pflege und Kosten zu sparen. Hier waren neue Vorstellungen zu entwickeln, zumal der Anschluss des Rosenhangs zum Theater hin durch den Bau einer kollossalen Freitreppe (Planung Westphal, Hannover) Anfang der 1960er Jahre abgebrochen war.

Die Notwenigkeit einer weiteren wesentlichen Neuplanung betraf die Erschließung des Rosenhangs.


Das Ehrenmal wurde jetzt mit Treppenläufen zur Schönen Aussicht und zur Karlsaue hin geöffnet (Plan A Bild 4)

Gerade der Anschluss des Hangs zum Hangfuß wäre durch den Höhensprung von 4,50 m der hier vorhandenen barocken Mauer, damals für Matteren sehr viel schwieriger geworden. Durch das vollständige Hinterfüllen dieser Mauer durch Trümmerschutt wurde jedoch befürchtet, dass sie den Erddruck nicht standhalten konnte. So wurde in aller hast kurz vor der Schau der ganze Vorbereich der Mauer um ca 3 m aufgefüllt. Dieser Höhengewinn ermöglicht jetzt den Bau der unteren Treppe.

Durch die Auflösung der Aufmarschrampe und ihren flankierenden Mauern vom Hauptweg parallel zur Kleinen Fulda zum Ehrenmal wurde nicht nur die Rasenfläche vor dem Hang großräumig verbunden, sondern auch vor allem ein Erschließungsweg von den Treppenabgängen des Rosenhanges entlang des ganzen Auehangs mit wesentlichen flüssigeren Verbindungen an das übrige Wegenetz der Karlsaue gebaut.. Der Höhenvorsprung der Auffüllung vor der Brockmauer wurde durch Schleppstufen überwunden, um hier eine Sackgasse für Kinderwagen und Behinderte zu vermeiden.

Der Auehang - ein Trümmerberg

1955 zur Bundesgartenschau (Eröffnung am 29.4.1955) ist das “neue Kassel” noch im

Aufbau. Es kann schon das neue Kriegerdenkmal besichtigt werden, aber an der Schönen

Aussicht ist das AOK-Gebäude ebenso eingerüstet, wie die Karlskirchenruine. 30 000

Rosengewächse schmücken den ehemaligen Trümmerhang und das offene städtische

Fenster von der Königsstraße, dem Zentrum der Stadt, zum Auehang und Karlsaue zu

öffnen. Ein Kapitel “schöpferischer Denkmalpflege” hat begonnen. Nachdem die Gesteine -

und Geröllmassen immer wieder abrutschten und die alte Stützmauer zu zerstören drohten,

entschied sich der Gartenbauarchitekt Hermann Mattern für die Neuanlage des Geländes

mit Terrassen, Verbindungswegen und Treppen. Darüber hinaus wurde das starke Hanggefälle

abgemildert. Auehang und Karlsaue wuchsen zu einer neuen Einheit zusammen und bewahrten die ursprüngliche Schönheit der Karlsaue.

Die Obere Neustadt wird von Trümmerschutt beseitigt. Zwei Millionen Kubikmeter Schutt wurden auf Loren

zum Auehang gebracht und über den Hang gekippt. Im Herbst 1951 wurde der Auehang zwischen

Ehrenmal und Frankfurter Straße am Weinberg profiliert und mit Mutterboden überdeckt. Es wurden

Zitterpappeln, Birken, Erlen, Weiden Wildrosen,Liguster und andere Straucharten angepflanzt.

Der Auehang um 1910 mit Regierungspalast,gestalteter Auehang und Spazierwege zur Aue.

Heinz Körner, Beethovenstraße 3

34121 Kassel, Tel.: 0561 493001

E-Mail: info@hek-kassel.de




Das Ehrenmal im Auehang

Kurhessische Kriegergedächnisstätte

Die Gedenkstätte für die Gefallenen und Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges wird auch als Ehrenmal bezeichnet und wurde auf die ehemaligen barocken Gartenanlagen des Prinzen Georgs errichtet unterhalb des heutigen AOK Gebäudes vormals Schloss des Prinzen

Georgs um 1720 entstanden. 1919 wurde vom Kurhessischen Kriegerbund ein Antrag gestellt, eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu errichten.

Hans Sautter schlug den Terrassengarten des Prinzen Georgs vor,

um hier das Ehrenmal gestalten zu können. Das Ehrenmal ist in vier Ebenen unterteilt, die mit jeweils vier doppelläufigen, gewendeten und streng symmetrischen Treppen verbunden sind. Den Abschluss bildet eine Ruhmeshalle. Sautter schuf für die Ruhmeshalle die Skulptur “Gefallenen” . Die nackte (1933) in ein Leichentuch gehüllte Figur ging später respektlos als “Sautterleiche” in den Volksmund ein. An den Wänden brachte

man Gedenktafel für die Gefallenen verschiedener Regimenter des Ersten

Weltkrieges an. Die Einweihung des schon früher fertig gestellten Ehrenmals wurde am Muttertag 1926 vorgenommen.

Die Nazis verdeckten die “pazifistische Leiche”. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gefallenen Gedenkstatt zerstört. Der Wiederaufbau wurde 1955 abgeschlossen und weitere Gedenktafeln angebracht, wobei aller Opfer der beiden Weltkriege gedacht wurde. Umstritten war die

Anbringung 1987 der Tafel für die Deserteure des II. Weltkrieges. Einer der ersten Tafel in ganz Deutschland dieser Art.

Die „parzifistische Leiche“ von Hans Sautter in der

Ruhmeshalle.

Die „Gefallenen- Gedenkstätte“, 1926 und 1955

eingeweiht.


Flurnamen:

Hofbleiche ist erklärt

Affenallee, Weg von den Affengehegen neben dem Schloß Maximilian entlang der Kleinen Fulda unterhalb des Auehangs zum Friedrichsplatz. Durch den Trümmerschutt zerstört, heute erinnert eine Fahrstraße an die ehemalige Kastanienallee.


Brüder-Grimm-Welt auf dem Weinberg


Auf dem Areal der Henschels sollte nach den Willen der Stadtplaner in den 1970er Jahren ein Hotelkomplex entstehen. Interessenten waren vorhanden.

Die Kasseler liefen Sturm gegen dieses Vorhaben und konnten zwar nicht verhindern, dass der westliche Weinberg mit dem Wohnstift Am Weinberg 1983 bebaut wurde , weitere Terrassenanlagen entstanden und auf dem Gelände Sanssouci entstanden Eigentumswohnungen in den 1990er Jahren. Erreicht wurde, dass der östliche Hang unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Henschelgarten wurde seit 1959 nicht gepflegt, so dass Wildwuchs die Treppenanlage und ehemaligen Terrassenanlagen eine Begehung nicht ermöglichte. Seit 1994 wird die Anlage wieder hergestellt und saniert. 2012 soll eine Begehung wieder gefahrlos ermöglicht werden.

Um zu verhindern, dass gewerbliche Interessen auf dem Weinberg durchgesetzt werden können, setzte sich der Autor dafür ein, dass ein neues Brüder-Grimm-Museum auf dem Areal der alten Henschelvillen entstehen kann. Nunmehr ist die Planung soweit fortgeschritten, dass neben dem Brüder-Grimm-Museum auch ein Tapetenmuseum entstehen soll, dieses wird nahe des Weges zur Brücke am Weinberg errichtet werden.

Inzwischen liegt ein Konzept für das Brüder-Grimm-Museum vor:

- im Eingangsbereich wird der Besucher schon in die Welt der Brüder Grimm eingeführt. Dort stehen 190 qm zur Verfügung, wo man auf eine audiovisuelle Inszenierung treffen wird. Weitere Vorgaben sind, dass Gestaltung von den Künstlern, Disigner, Modemacher so gestaltet werden soll, “dass man eintaucht und überwältigt ist.”

Schatzkammer;:

Das Weltdocumentenerbe, die Handexemplare der Kinde- und Hausmärchen, sollen ihrer Bedeutung entsprechend präsentiert werden. Besucher sollen die Märchen hören oder lesen können.

Grimms Kosmus::

Die Brüder - Grimm als Sprachforscher und Wissenschaftler, 320 qm stehen zur Verfügung.

Grimms Labor:

Das Deutsche Wörterbuch der Grimms und die deutsche Sprache stehen im Zentrum mit 330 qm Ausstellungsfläche. Kosmos und Labor werden durch ein Modul mit einer Inszenierung des Deutschen Wörterbuchs verbunden. “Hier sollen die Besuche nachvollziehen können, wie die Grimms damals gearbeitet haben.”.

Sonderausstellungfläche

Für aktuelle Ausstellungen und Filmvorführungen mit 400 qm . Hinzu kommen ein pädagogischer Bereich für Gruppen und Schulklassen, Shop. Foyer und Verwaltungstrakt. Die Flächen sollen so angelegt werden, dass sie eine hohe Ausnutzung haben. Die Ausstellungsfläche nimmt mit 2300 qm großen Raum ein. Die Nutzfläche liegt bei 3100 qm.